lieder & saitenspiel - tronjes blog

Freitag, 25. Dezember 2015

abendlied eines landstreichers - Hagen Kemper 'tronje'



zur neige geht der tag geschwind -
die sonne ist verschwunden -
dahin weht mich der abendwind -
ich muß den weg erkunden -

mein kamisol ist zweite wahl -
die schuhe sind zerschlissen -
ich wärme mich im wartesaal -
das leben scheint beschissen -

doch ab und zu - da spiele ich -
ein lied - bin ja ein kunde !
und speise am gedeckten tisch -
und bleib so manche stunde -

und wo ich schlafen werd zur nacht -
das steht wohl in den sternen -
ich hab mich doch zu lang bedacht -
mein lieb grüßt aus der fernen -

der tag erwacht im morgenrot -
der mond ist längst verschwunden -
der wind weht durch mein kamisol -
ich muß den weg erkunden -

so kam ich schon durch manche land -
vom rhein bis hin zur elbe -
und wenn ich keine bleibe fand -
da schlief ich frei im felde ...

(  kunde : landstreicher - kamisol : veste  / rotwelsch )


Montag, 21. Dezember 2015

Georg Trakl - wenn der schnee ans fenster fällt

    

wenn der schnee ans fenster fällt -
lang die abendglocke läutet -
vielen ist der tisch bereitet -
und das haus ist wohlbestellt -


mancher auf der wanderschaft -
kommt ans tor auf dunklen pfaden -
golden blüht der baum der gnaden -
aus der erde kühlem saft -

wanderer tritt still herein -
schmerz versteinerte die schwelle -
da erglänzt in reiner helle -
auf dem tische brot und wein ...

Donnerstag, 17. Dezember 2015

an einem morgen wacht' ich auf im paradies - Hagen Kemper 'tronje'


an einem morgen wacht' ich auf im paradies -
ich lag auf rosenblättern - myrten und jasmin -
und bunte falter tanzten über mir im wind -
und alle vögel sangen mir ihr lied - so süß -

zitronen und orangenbäume hingen voll -
der duft davon betörte meine sinne ganz -
libellen sirrten in smaragdem grün und blau -
nur eine weiße wolke sah ich über mir ...

Freitag, 11. Dezember 2015

es fährt kein zug zum niemandsland - Hagen Kemper 'tronje'



es fährt kein zug zum niemandsland -
wo nesseln steh'n am wegesrand -
wo raben kauern schwarz im sand -
es fährt kein zug zum niemandsland -

es fährt kein zug zum niemandsland -
wo wermut blüht im kalten wind -
wo spuren längst vergangen sind -
es fährt kein zug zum niemandsland -

es fährt kein zug zum niemandsland -
wo gleise überwuchert sind -
wo man nur einsamkeiten find -
es fährt kein zug zum niemandsland ...

Sonntag, 6. Dezember 2015

Konstantínos Kaváfis - Ένας γέρος - ein alter mann


Στου καφενείου του βοερού το μέσα μέρος 
σκυμένος στο τραπέζι κάθετ' ένας γέρος· 
με μιαν εφημερίδα εμπρός του, χωρίς συντροφιά. 

Και μες στων άθλιων γηρατειών την καταφρόνεια 
σκέπτεται πόσο λίγο χάρηκε τα χρόνια 
που είχε και δύναμι, και λόγο, κ' εμορφιά. 

Ξέρει που γέρασε πολύ· το νοιώθει, το κυττάζει. 
Κ' εν τούτοις ο καιρός που ήταν νέος μοιάζει 
σαν χθες. Τι διάστημα μικρό, τι διάστημα μικρό. 

Και συλλογιέται η Φρόνησις πώς τον εγέλα· 
και πώς την εμπιστεύονταν πάντα -- τι τρέλλα! -- 
την ψεύτρα που έλεγε· «Αύριο. Εχεις πολύν καιρό». 

Θυμάται ορμές που βάσταγε· και πόση 
χαρά θυσίαζε. Την άμυαλή του γνώσι 
καθ' ευκαιρία χαμένη τώρα την εμπαίζει. 

....Μα απ' το πολύ να σκέπτεται και να θυμάται 
ο γέρος εζαλίσθηκε. Κι αποκοιμάται 
στου καφενείου ακουμπισμένος το τραπέζι. 

*
stu kafeníu tu vorú tò mésa méros
skiménos sto trapési káthet' énas jéros
me mian efimerída ebrós tu - chorìs sintrofiá

ke mes ston áthlion jiratión tìn katafrónia
sképtete póso lígo chárike ta chrónia
pu íche ke dínami - ke lógo - k’ emorfiá

xéri pu jérase polí to nióthi - tò kittázi
k’en tútis o kerós pu ítan néos miázi
san chtés - ti diástima mikró - tí diástima mikró

ke sillojiéte i frónisis pós ton ejéla
ke pós tìn ebistéfontan pánda – tí trélla ! –
tìn pséftra pu éleje ˙« áfrio - echis polín keró »

thimáte ormés pu vástaje ke pósi
chará thisíaze - tin ámialí tu gnósi
kath’evkería chaméni tóra tin ebézi

… ma ap’to poli na sképtete ke na thimáte
o jéros ezalísthike - ki apokimáte
stu kafeníu akubisménos to trapési

*
im hinteren - lautstarken café
sitzt ein alter mann gebogen über den tisch 
mit einer zeitung - ohne gesellschaft -

in seinem verächtlichen - jämmerlichen alter
bedenkt er wie wenig freude er kannte -
als er noch jung und schön war -

er überdenkt wie ihm der gesunde verstand irre führte -
wie er alle zeit vertraute - wahnsinn ! -
der betrüger der sagte 'morgen - du hast alle zeit '- 

er weiß das er sehr alt ist - er fühlt und sieht es -
und doch - die zeit als er jung war - 
gleicht als ob es gestern war ; ganz kurz vorbei -

er erinnert sich der leidenschaften - die er bezwang -
wie viel freuden er aufopferrte - jede verlorene chance
spottet nun mit seiner nutzlosen einsicht -

aber durch das viele nachdenken und erinnern
wurde der alte mann benommen - und er fiel in
schlaf - lehnend über den tisch in dem café ...

Sonntag, 29. November 2015

es ist ein tau gefallen - Hagen Kemper 'tronje'


es ist ein tau gefallen
erloschen ist die glut -
der traum ist mir entflogen
mit wolken - die da zogen :
erloschen ist die glut !

das morgenrot erscheinet
ein vogel singt im dorn -
ob ich den traum wohl finde  ?
ich frage alle winde :
ein vogel singt im dorn !

Freitag, 20. November 2015

Hermann Löns - die rosenbüsche sind behangen



die rosenbüsche sind behangen
mit wunderbarer blütenpracht -
das ist ein märchenhaftes prangen -
mein herz - das singt und klingt und lacht -
im weißen kleid kommst du gegangen -
in einer flut von sonnenschein -
die rosenbüsche schmachtend prangen :
ich sehe nur noch dich allein !

Samstag, 7. November 2015

es sang ein vogel vor der nacht - Hagen Kemper 'tronje'


es sang ein vogel vor der nacht 
im schwarzen dorn - im abendrot -
darüber wehte kühl der wind :
es sang ein vogel vor der nacht !

es lag ein tau noch vor dem tag 
auf schwarzem dorn - im morgenrot -
der vogel flog davon - im wind :
es lag ein tau noch vor dem tag !

es sang kein vogel vor der nacht 
im schwarzen dorn - im abendrot -
darüber wehte nur der wind :
es sang kein vogel vor der nacht !

Freitag, 30. Oktober 2015

vorbei ist nun die sommerzeit - Hagen Kemper 'tronje'


vorbei ist nun die sommerzeit
der herbst legt farben - gold und breit
auf wiesen – feld und grünen auen -

es geht ein ahnen durch den wald
die zeit des abschieds kommt nun bald
der vogelzug – beim morgengrauen -

dann wird es still in der natur
die rabenvögel fliegen nur
im klostergarten singen frauen ...

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Hermann Hesse - ob du tanzen gehst in tand und plunder


ob du tanzen gehst in tand und plunder -
ob dein herz sich wund in sorgen müht -

täglich neu erfährst du doch das wunder -
daß des lebens flamme in dir glüht .

mancher läßt sie lodern und verprassen - 
trunken im verzückten augenblick -
andre geben sorglich und gelassen
kind und enkeln weiter ihr geschick .

doch verloren sind nur dessen tage -
den sein weg durch dumpfe dämmrung führt -
der sich sättigt in des tages plage
und des lebens flamme niemals spürt .

Samstag, 17. Oktober 2015

der froschkönig im garten - Hagen Kemper 'tronje'


ein könig träumt im garten
   wohl einen tiefen traum -
 auf wen will er nur warten ?
noch blüht der essigbaum ...
 
die birkenblätter spielen
   im frühen morgenwind -
  und manche - die schon fielen
 so bunt gefärbet sind ...
 
der könig trägt den umhang
   mit patina - in grün -
 er träumt - hört nicht den singsang
 und siehet auch nichts blüh'n ...
 
froschkönig ist sein name
 sein reich ist uns bekannt -
   er wartet auf die dame
 für's traum und märchenland ...

Sonntag, 11. Oktober 2015

Stefan George - südlicher strand



fern liegt die heimat noch als schwarze wüste -
vergessen hinter schneebestreuter wehr ...
kein laut von dort der nicht vergeblich grüßte !
die wunderwelt verlockt uns noch zu sehr -

starr-hohe fichten - sanftere oliven -
im garten den ein kühler glanz durchloht -
noch wartet drunten auf den glatten tiefen -
aus saphir unser gelbbeschwingtes boot -

in dieser luft von weihrauch und von rosen -
wo selbst der strenge fürst des endes leicht -
als sei er nur der spender von almosen -
mit einem lächeln durch die lande schleicht ...

Samstag, 3. Oktober 2015

Heinrich Heine - minnesänger


zu dem wettgesange schreiten
minnesänger jetzt herbei -
ei - das gibt ein seltsam streiten
ein gar seltsames turnei ! 

phantasie - die schäumend wilde
ist des minnesängers pferd -
und die kunst dient ihm zum schilde
und das wort - das ist sein schwert !

hübsche damen schauen munter
vom beteppichten balkon -
doch die rechte ist nicht drunter
mit der rechten lorbeerkron !

andre leute - wenn sie springen
in die schranken - sind gesund -
doch wir minnesänger bringen
dort schon mit die todeswund !

und wem dort am besten dringet
liederblut aus herzensgrund -
der ist sieger - der erringet
bestes lob aus schönstem mund !

Freitag, 25. September 2015

Rudolf Baumbach - jeder nach seiner art



nie werden trauben süß und schwer
an haselbüschen reifen -
der distelfink lernt nimmermehr
wie eine drossel pfeifen .

sehnsüchtig klagt im hollerstrauch
das nachtigallenmännchen -
ich singe nach vagantenbrauch
beim klapp der deckelkännchen .

der feilt an einer elegie
der schmiedet eine fabel -
ich singe in die winde - wie
gewachsen mir der schnabel !

ich hab's gelernt im grünen wald
beim rauschen alter föhren -
und wem mein singsang nicht gefallt
der braucht nicht zuzuhören !

Mittwoch, 9. September 2015

Hugo von Hofmannsthal - wir sind aus solchem zeug wie das zu träumen



wir sind aus solchem zeug wie das zu träumen -

und träume schlagen so die augen auf :
wie kleine kinder unter kirschenbäumen ...

aus deren krone den blaßgoldnen lauf -
der vollmond anhebt durch die große nacht :
nicht anders tauchen unsre träume auf ...

sind da und leben - wie ein kind - das lacht -
nicht minder groß im auf- und niederschweben :
als vollmond - aus baumkronen aufgewacht ...

das innerste ist offen ihrem weben -
wie geisterhände im versperrten raum :
sind sie in uns und haben immer leben -

und drei sind eins : ein mensch - ein ding - ein traum ...

Mittwoch, 2. September 2015

im mohn , am weizenfeld ... - Hagen Kemper 'tronje'



die nacht ist still und leise
gefallen auf die welt -
da lag ich noch zu träumen :
im mohn - am weizenfeld ...

und über mir der himmel
war prächtig hell besternt -
der vollmond schien mir nahe :
und war doch weit entfernt ...

da blieb ich einfach liegen
in warmer sommernacht -
ein vogel sang am morgen :
da bin ich aufgewacht ...

der wind strich über ähren
und schenkte mir als lohn -
fürs warten auf dem felde :
ein blatt vom seidenmohn ...

Sonntag, 30. August 2015

noch blüht am wegesrand so manches blümelein - Hagen Kemper 'tronje'


noch blüht am wegesrand so manches blümelein -
noch klingen vogelstimmen über feld und wald -
noch streicht der sommerwind sanft durch das stille tal -
noch ziehen weiße wolken hoch am himmel weit ...

drum wandre ich auf wegen voller staub und sand -
und laß mir herz und seele mit dem winde ziehn -
und mit den vögeln singe ich so manches lied -
und auf der klampfe spielend wandre ich durchs land ...

noch blüht am wegesrand so manches blümelein -
noch klingen vogelstimmen über feld und wald -
noch streicht der sommerwind sanft durch das stille tal -
noch ziehen weiße wolken hoch am himmel weit ...

Donnerstag, 20. August 2015

Kurt Heerklotz 'keh' - es weht der wind den berg hinab



es weht der wind den berg hinab
die sommervögel ziehn -
zur neige geht das jahr im trab
die hellen tage fliehn -

nun sucht dein aug der sterne licht
die blumen sind's nicht mehr -
fern tönt ein ruf wie weltgericht
die felder liegen leer -

hast deine ernte heimgeholt ?
der sommer - der war heiß -
die stiefel werden neu besohlt
für's nächste jahr - wer weiß ?

Sonntag, 16. August 2015

wenn die heckenrosen blüh'n - Hagen Kemper 'tronje'



wenn die heckenrosen blüh'n
 muß ich wieder weiter zieh'n ;
denn kein sommer ist so richtig lang -

wenn die hagebutten steh'n
und die herbstzeitlosen blüh'n :
klingt ein letzter sommervogel sang ...

Mittwoch, 12. August 2015

liebeslied zur nacht - Hagen Kemper 'tronje'


engumschlungen tanzten beide -
nächtlich - zu dem sang der grillen -

vor dem teich der wasserrosen -
wollten ihre sehnsucht stillen -

sommermondschein fiel darnieder -
tanzend fanden sie die träume -

küßten zärtlich sich umarmend -
tief im schatten alter bäume ...

Samstag, 8. August 2015

Stefan George - es lacht in dem steigenden jahr dir



es lacht in dem steigenden jahr dir
der duft aus dem garten noch leis
flicht in dem flatternden haar dir
eppich und ehrenpreis

die wehende saat ist wie gold noch
vielleicht nicht so hoch mehr und reich
rosen begrüßen dich hold noch
ward auch ihr glanz etwas bleich

verschweigen wir was uns verwehrt ist
geloben wir glücklich zu sein
wenn auch nicht mehr uns beschert ist
als noch ein rundgang zu zwein

Sonntag, 2. August 2015

rosen weiß und rosen rot - Hagen Kemper 'tronje'


morgen muß ich fort von hier 
oh lieb - wir müssen scheiden  
doch ich blieb' so gern bei dir  
brauchte nicht zu leiden 

rosen weiß und rosen rot 
blüh'n in ihrem garten 
und beim letzten abendrot 
wird sie auf mich warten 

weil ich abschied nehmen muß 
will ich dich doch umarmen 
schenk mir einen letzten kuß 
er wird mein herz erwarmen 

wenn dann kommt das nächste jahr 
und blumen blühen wieder 
wird das glück ja wieder wahr 
sehen wir uns wieder

morgen muß ich fort von hier 
oh lieb - wir müssen scheiden  
doch ich blieb' so gern bei dir  
brauchte nicht zu leiden  

Donnerstag, 23. Juli 2015

Hermann Löns - ich seh' ein wasser blinken


ich seh' ein wasser blinken
das wasser das ist frisch
ich sehe etwas schimmern

das ist fürwahr kein fisch

ein fisch hat keine haare
und nicht zwei arme rund
hat keine blauen augen
und keinen roten mund

ich will das fischlein fangen
mit einem haselstock
was seh' ich in dem grase
ein hemdlein und ein rock ?

das hemdlein sollst du haben
den rock behalt ich hier
und soll ich ihn dir geben
was schenkst du mir dafür ?

Dienstag, 14. Juli 2015

Adelbert von Chamisso - abend



laß - kind - laß meinen weg mich ziehen
es wird schon spät - es wird schon kalt
es neiget sich der tag  zu ende
und erst dort unten mach' ich halt

wozu mir deine lieder singen ?

sie treffen mich mit fremdem klang -
wie war das wort ?  war's liebe ?  liebe !
vergessen hatt' ich es schon lang'

und doch - gedenk' ich ferner zeiten
mich dünkt - es war ein süßes wort
jetzt aber zieh' ich meiner straße
ein jeder kommt an seinen ort

hier windet sich mein pfad nach unten
die müden schritte schwanken sehr
mein frühes feuer ist erloschen
das fühl' ich alle stunden mehr

Samstag, 4. Juli 2015

wenn die wolken ziehen vor dem wind - Hagen Kemper 'tronje'


wenn die wolken ziehen vor dem wind -
und die bäume rauschen ungewohnt -
wenn wir dann an unserm lager sind :
hat das wandern sich für uns gelohnt -

wenn die sonne durch die wipfel scheint -
und der reiher segelt übers land - 
wenn wir lagern - und kein regen weint :
steht das zelt am dunklen waldesrand -

wenn das lagerfeuer ist entfacht -
und die dämmerung fällt sanft und leis' -
wenn der wald schläft dann um mitternacht :
klingen lieder aus dem feuerkreis ...

Samstag, 27. Juni 2015

nacht-traum-lied - Hagen Kemper 'tronje'


in meinen träumen hab' ich viele namen -
in meinen träumen tanze ich im wind -
in meinen träumen schlafe ich auf blumen -
in meinen träumen bin ich oft noch kind ...

ich schwebe jede nacht durch bunte träume -
so wie ein schmetterling im sonnenlicht -
ich suche mir den schatten blauer bäume :
so findet mich der frühe morgen nicht !

Sonntag, 21. Juni 2015

Georg Trakl - es dämmert , zum brunnen gehn die alten fraun


es dämmert - zum brunnen gehn die alten fraun
im dunkel der kastanien lacht ein rot
aus einem laden rinnt ein duft von Brot
und sonnenblumen sinken übern zaun

am fluß die schenke tönt noch lau und leis
guitarre summt - ein klimperklang von geld
ein heiligenschein auf jene kleine fällt
die vor der glastür wartet sanft und weiß


o ! blauer glanz - den sie in scheiben weckt
umrahmt von dornen - schwarz und starrverzückt
ein krummer schreiber lächelt wie verrückt
ins wasser - das ein wilder aufruhr schreckt


Donnerstag, 11. Juni 2015

Hermann Löns - der tau liegt auf der haide


der tau liegt auf der haide
das wird ein schöner tag
ein vögelein mit freude
erhebet seinen schlag
die taschen sind mir leer
der magen noch viel mehr
ich armer haideläufer
mich dauert meiner sehr

die würfel und die frauen
sind voller trug und tück
wer ihnen mochte trauen
dem ward ein gläsern glück
dazu der branntewein
erst läuft er lieblich ein
ist man des rausches ledig
so trägt man schwere Pein

ich hab' die drei genossen
zu Bothfeld in dem krug
mein geld - das ist zerflossen
hab' dessen nie genug
die pfennige sind hin
das weib war falsch von Sinn
der branntwein macht mir kopfweh
das ist nun mein gewinn

Sonntag, 7. Juni 2015

adeus meu amor - adieu meine liebe - Hagen Kemper 'tronje'


tras os montes é un campo verde
tras os montes é meu coração

tras os montes é un campo verde
tras os montes chora meu amor

ai  ai  ai  adeus priminha !
ai  ai  ai  meu coração !
ai  ai  ai  meu campo verde !
ai  ai  ai  adeus meu amor !

*
hinter den bergen liegt ein grünes feld 
und hinter den bergen ist mein herz

hinter den bergen liegt ein grünes feld  
und hinter den bergen weint meine liebe 

ai  ai  ai   adieu  meine geliebte !  
ai  ai  ai   mein herz ! 
ai  ai  ai   mein grünes feld !
ai  ai  ai   adieu  meine liebe !

Freitag, 5. Juni 2015

Kinderlied : der kuckuck und der esel - Hagen Kemper 'tronje'


der kuckuck und der esel
die fuhren einst nach wesel -
bis dorthin war es weit :
darüber gab es streit !

sie kamen bis zum rhein
und kehrten durstig ein -
der kuckuck sprach zum esel :
wir trinken nur ein gläsel !

der esel rief zum kuckuck :
ich nehm noch einen schlu-uck -
sie tranken viele gläsel
und wollten doch nach wesel !

der kuckuck und der esel
die fuhren nicht nach wesel -
sie wollten nur nach haus 
so klingt das lied nun aus !

Samstag, 30. Mai 2015

träume sind wie alle wolken - Hagen Kemper 'tronje'


träume sind wie alle wolken :
kommen an - und treiben fort 
nur die farben wechseln immer 
und mit ihnen zeit und ort !

träume sind wie alle vögel :
kommen an - und fliegen weg 
nur die lieder wechseln immer 
und mit ihnen ihr versteck !

träume sind wie bunte falter :
kommen an - und gaukeln sacht 
nur die farben wechseln immer 
und vorbei geh'n traum und nacht !

Montag, 18. Mai 2015

Joseph von Eichendorff - nacht ist wie ein stilles meer


nacht ist wie ein stilles meer
lust und leid und liebesklagen
kommen so verworren her 
in dem linden wellenschlagen 


wünsche wie die wolken sind
schiffen durch die stillen räume
wer erkennt im lauten wind
ob's gedanken oder träume ? 

schließ ich nun auch herz und mund
die so gern den sternen klagen
leise doch im herzensgrund
bleibt das linde wellenschlagen