lieder & saitenspiel - tronjes blog

Mittwoch, 29. März 2017

Agnes Miegel - frühlingsabend



der helle maitag geht gemach zu ende -
die dunkelgrauen frühlingswolken zieh'n
in erster dämm'rung über die gelände -
wo veilchen suchend noch die kinder knien -

in allen gärten flöten hell die stare -
in unbelaubten wipfeln rauscht der wind -
das wühlt wie kinderhand in meinem haare -
ich atme tief - wie grün die wiesen sind !

die frühlingssehnsucht dieser abendstunde -
zu alten träumen kehrt sie still zurück -
und ruft und lockt mit jugendrotem munde :
die veilchen blüh'n ! blüh' auf - verdorrtes glück !

Donnerstag, 23. März 2017

tosende , schäumende , wiegende wogen - Hagen Kemper 'tronje'


tosende - schäumende - wiegende wogen -
tragen uns weit auf das offene meer -
ist uns das wetter auch heute gewogen -
lacht unser herz - denn was brauchen wir mehr -
rauschende - singende - ziehende scharen -
wildgänse fliegen durch sternklare nacht -
treibt uns der wind - und er zerrt an den haaren -
schwimmt unser boot durch traumhafte nacht -

und wenn wir singen die lieder der fernen -
weht frischer wind sie fort über's meer -
saiten - sie klingen - bis hin zu den sternen -
fallen am morgen ins tiefblaue meer -
rauschende - singende - ziehende scharen -
wildgänse fliegen durch sternklare nacht -
treibt uns der wind - und er zerrt an den haaren -
schwimmt unser boot durch traumhafte nacht ...

Sonntag, 19. März 2017

Rudolf Baumbach - fahr' wohl , mein lieb , der morgen graut


fahr' wohl - mein lieb - der morgen graut -
fahr' wohl - wir müssen uns trennen -
das scheiden ist ein bitt'res kraut -
von heißen tränen ist's betaut -
und seine blätter brennen -
 

es sprießen blumen ohne zahl -
wo minne und jugend werben -
wo zwei in stummer herzensqual
beisammensteh'n zum letzten mal -
die gräser und blumen sterben -
 

dort drüben am bach eine weide steht -
die äste neigen sich nieder -
ein blatt sich wirbelnd zur erde dreht -
wer weiß - wohin es der wind verweht
zurück kehrt's nimmer wieder ...

Freitag, 10. März 2017

Clemens Brentano - ich wollt ein sträußlein binden


       ich wollt ein sträußlein binden -
       da kam die dunkle nacht -
       kein blümlein war zu finden -
       sonst hätt ich dir's gebracht -
       da flossen von den wangen
       mir tränen in den klee -
       ein blümlein aufgegangen
       ich nun im garten seh -
     
       das wollte ich dir brechen
       wohl in dem dunklen klee -
       doch fing es an zu sprechen :
       ach -  tue mir nicht weh !
       sei freundlich im herzen -
       betracht dein eigen leid -
       und lasse mich in schmerzen
       nicht sterben vor der zeit !

       und hätt's nicht so gesprochen -
       im garten ganz allein -
       so hätt ich dir's gebrochen -
       nun aber darf's nicht sein -
       mein schatz ist ausgeblieben -
       ich bin so ganz allein -
       im lieben wohnt betrüben -
       und kann nicht anders sein ...

Donnerstag, 9. März 2017

Kinderlied : es war einmal ein wolf - Hagen Kemper 'tronje'



es war einmal ein wolf
der spielte gerne golf -
er schlug so stark den ball
bis hin zum wasserfall -

ein hase und ein igel
die hatten keinen spiegel -
sie ließen sich frisieren
sie hatten schon manieren -

ein altes dromedar
das lag nur eben da -
und dessen müder reiter
der lag ein stückchen weiter -

ein schaf mit sehr viel wolle
das suchte g'rad frau holle -
die wolle könnt' es missen
für 1 - 2 - 3 - 4 - kissen -

ein hund und eine katze
auf einer luftmatratze -
die hatten keine sorgen
und schliefen bis zum morgen ...

Donnerstag, 2. März 2017

Erich Fried - landstreicher


im gasthaus zum bruder abel - 
da war ein schenkmädel schön - 
das nahm der wirt mir übel - 
er hieß mich zahlen und gehn - 

eine sonne als goldenen taler - 
zwei monde als silber dazu - 
die warf ich dem wirt auf den teller - 
und wünschte ihm gute ruh - 

der wirt genoß nicht sein eigen - 
die sonne verbrannte sein haus - 
das mädel mit den mondenen augen 
lief in die nacht hinaus ...