lieder & saitenspiel - tronjes blog

Mittwoch, 20. Juli 2011

Johann Christian Günther - auf der reise nach jauer

bruder - komm und laß uns wandern
habe leid und lust gemein
kommt ein wetter nach dem andern
hilf mir doch beständig sein
der verdruß vergangner tage
zeigt viel süß erinnerung
wir erdulden schwere plage
aber wir sind auch noch jung

gleiche brüder - gleiche kappen
einerlei gefahr und mut
sollt uns auch der feind ertappen
kämpfen wir vor ruhm und blut
wir sind allzeit freie leute
ob uns gleich die armut drückt
werden wir doch immer heute
durch geschwinden trost erquickt

sag es - bruder - unverholen
sind wir nicht weit besser dran ?
unser schaden sind nur sohlen
die man leicht ersetzen kann
nichts verwirrt uns die gemüter
niemand zwingt uns an das joch :
raubt man uns so ehr' als güter
bleibet unsre hoffnung doch

bruder - fort - es geht nach jauer
bruder - fort - und laß uns geh'n !
wird uns weg und wetter sauer
soll es doch bald anders stehn
fort - ich höre schon die lieder
auf den nächsten freudenschmaus !
mertschütz sehn wir wohl nicht wieder
freund - wo geht der weg hinaus ?

 ( mertschütz  liegt :
nördlich von döbeln / sachsen )

Mittwoch, 16. Februar 2011

Miquel Ferrà - hivernenca - winterlied



gener  és  vingut - la  nit  reposa
glacial - damunt  el  sementer
la  flor  primera  s'és  desclosa
al  cim  més  alt  d'un  ametler
ha  obert  son  ull  la  flor  veïna …
l'hivern  regnava  en  la  foscor
callava   l'aigua  crestallina
glaçada  al  fons  del  regueró
queia  la  neu - dispersa  i  clara
sobre  el  dormit  ametlerar …
les  flors  s’han  dit : no  és  hora  encara
i s'han  tornades  a  acopar

*
der januar kam heran - die nacht
legte sich eisig auf das saatfeld
die erste blüte öffnete sich
aus der tracht eines mandelbaums
eine andere blüte öffnete ihr auge …
der winter herrschte im nebel
das sonst kristallklare wasser lag still
in der gefrorenen rinne der quelle
der schnee - verweht und rein
auf dem schlafenden mandelbaum …
die büten noch zu fein : nicht die zeit
und so haben sie sich wieder geschlossen 

Donnerstag, 27. Januar 2011

Alice Nahon - des avonds worden mijn gepeinzen ...

 des avonds worden mijn gepeinzen
een hofke van geheimenis …
waar bloemen naar het westen wijzen
waar iedre vogel slapen is

des avonds wordt de wereld klener
en dichter alle ver verleên …
die eenzaam zijn – worden allener
en die beminnen – meer bijeen

des avonds weegt er op mijn zwijgen
die schone menselijke pijn …
de drang een innig woord te krijgen
en zelf voor iemand lief te zijn

  *
    
     ( freie übersetzung : tronje )

am abend werden meine sinne
ein kleiner hof von geheimnissen …
wo blumen nach dem westen zeigen
wo jeder vogel schlafen ist

am abend wird die welt kleiner
und dichter was so weit erscheint
die einsam sind – werden ganz allein sein
die liebenden – kommen sich noch näher

am abend wiegt auf meinen schweigen
die schöne menschliche pein …
der drang ein innigstes wort zu bekommen
und selbst für jemand lieb zu sein

Montag, 10. Januar 2011

Wisława Szymborska - nic dwa razy siẹ nie zdarza - nichts tut sich zweimal ...


nic dwa razy siẹ nie zdarza
i nie zdarzy . z tej przyczyny
zrodziliśmy siẹ bez wprawy
i pomrzemy bez rutyny

żaden dzień siẹ nie powtórzy
nie ma dwóch podobnych nocy
dwóch tych samych pocałunków
dwóch jednakich spojrzeń w oczy

*
nichts tut sich zweimal
nie und nimmer - wir werden
eben ohne erfahrung geboren
und sterben wieder ohne routine

kein tag wiederholt sich
keine nacht gleicht einer anderen
nicht zwei küsse
nicht zwei gleiche blicke