lieder & saitenspiel - tronjes blog

Samstag, 30. Mai 2015

träume sind wie alle wolken - Hagen Kemper 'tronje'


träume sind wie alle wolken :
kommen an - und treiben fort 
nur die farben wechseln immer 
und mit ihnen zeit und ort !

träume sind wie alle vögel :
kommen an - und fliegen weg 
nur die lieder wechseln immer 
und mit ihnen ihr versteck !

träume sind wie bunte falter :
kommen an - und gaukeln sacht 
nur die farben wechseln immer 
und vorbei geh'n traum und nacht !

Montag, 18. Mai 2015

Joseph von Eichendorff - nacht ist wie ein stilles meer


nacht ist wie ein stilles meer
lust und leid und liebesklagen
kommen so verworren her 
in dem linden wellenschlagen 


wünsche wie die wolken sind
schiffen durch die stillen räume
wer erkennt im lauten wind
ob's gedanken oder träume ? 

schließ ich nun auch herz und mund
die so gern den sternen klagen
leise doch im herzensgrund
bleibt das linde wellenschlagen

Sonntag, 17. Mai 2015

chacho royo - Gaucho Lyrik - Argentina


anda buscando el olvido
pa' lo que hoy es un recuerdo
se le hace duro el destino
si pa'olvidar es tan lerdo

se le hizo dura la carne
castigada por los vientos
de se barba cuelgan
como flecos los recuerdos

*
da geht er und versucht zu vergessen
was einst war und nun erinnerung ..
muß das schicksal so hart sein
und es ihm so schwer machen

hart gegerbt ist seine haut
von den schlägen des windes
und in seinem bart hängen
wie fransen seine erinnerungen

Donnerstag, 14. Mai 2015

Erich Mühsam - die hohen türme haben mich gegrüßt


die hohen türme haben mich gegrüßt
die über meinen kinderträumen ragten
und ihre unbewegten mienen fragten
wie ich des lebens ernst verbüßt

des waldes blätter haben mir gerauscht
wo meine schmerzen erste reime fanden
ich habe ihre frage wohl verstanden :
ob ich beglücktes dasein eingetauscht

doch - als ich kam zu meines meeres flut
da stürmten alle wellen - mich zu grüßen
und drängten zärtlich sich zu meinen füßen
und fragten nichts - da war mir frei und gut

Samstag, 9. Mai 2015

Stefan George - zieh mit mir geliebtes kind


zieh mit mir geliebtes kind
in die wälder ferner kunde
und behalt als angebind
nur mein lied in deinem munde

baden wir im sanften blau
der mit duft umhüllten gränzen :
werden unsre leiber glänzen
klarer scheinen als der tau

in der luft sich silbern fein
fäden uns zu schleiern spinnen ·
auf dem rasen bleichen linnen
zart wie schnee und sternenschein

unter bäumen um den see
schweben wir vereint uns freuend ·
sachte singend · blumen streuend ·
weiße nelken - weißen klee

Dienstag, 5. Mai 2015

Cabral de Nascimento - o livro e a flor - das buch und die blume


um livro volumoso
de alta cogitação
obra de autor famoso
estilo precioso
boa encadernção
dentro jaz uma flor
silvestre - que resume
algum antigo amor
seca - perdeu a cor
morta não tem perfume

*
ein dickes buch
mit erhabenen gedanken
werk eines berühmten autors
erlesener stil
guter einband
darin liegt eine wilde
blume - die für
irgendeine alte liebe steht
getrocknet - die farbe verloren
tot ist sie - ohne duft

Freitag, 1. Mai 2015

Klabund - es blühen aus dem schnee die anemonen


es blühen aus dem schnee die anemonen
mit seinem herzen spielt ein kind - und es verweint’s

uns - die am brunnenrand der erde wohnen
ist sonnenauf - und - niedergang nur eins

doch immer wieder quillt der fluß vom felsen
und immer wieder mond um frauen wirbt 
der herbst wird ( ewig ) seinen goldnen kürbis wälzen
und ewig grillenruf im grase zirpt

es führten viele fest ihr pferd am zügel
der ruhm der tausend schlachten ist verweht
was bleibt vom heldentum  ?  ein morscher hügel
auf dem das unkraut rot wie feuer steht