lieder & saitenspiel - tronjes blog

Freitag, 29. November 2013

Nikolaus Lenau - dahin sind blüten jetzt und nachtigallen

dahin sind blüten jetzt und nachtigallen
und durch den kahlen - sangverlaßnen strauch
weht nun des herbstes einsam kühler hauch
mein glück ist mit dem laube abgefallen !
 das ist der hain - wo ich mit dir oft weilte
das ist der büsche wonnigliche haft
wo uns am flehen süßer leidenschaft
unfesselbar die zeit vorübereilte
 du wanderst fort - du willst die welt durchmessen
hier ist der pfad - so schlangenkrumm und kalt
der dich - geliebter - locket mit gewalt
und fortfährt in die fremde - ins vergessen !
 das schiff bewegt mit seinem reisedrange
und stört empor die see aus glatter ruh
doch ist es fort - schließt sich die Welle zu
gleichgültig wallt sie fort im alten gange
siehst du von jenem baum den raben fliegen ?
von seinem fortschwung wankt und bebt der ast
ein weilchen noch und kehrt zur alten rast  
und deine klagen werden bald versiegen !

Donnerstag, 21. November 2013

Guillermo Bustamante - morena no tengo cumbias para ti ...


morena  no  tengo  cumbias 
para  ti  esta  noche
las  bayonetas  han  roto  mi  tambor
y  cambiado  mi  canto  por  zozobra
esta  noche  no  hay  cumbias
para  ti  ni  para  nadie  en  este  pueblo
sólo  terror  inundando  las  calles
desde  la  ventana  misma  de  tus  ojos
*
morena ich habe keine cumbias
für dich heute nacht
die bayonetten haben meine trommel zerbrochen
und mein lied ist traurig geworden
diese nacht habe ich keine cumbias
für dich – für niemand in diesem land
allein terror überspült die straßen
durch das fenster in deine ängstlichen augen

Donnerstag, 14. November 2013

Stefan George - meine weißen ara haben safrangelbe kronen

meine weißen ara
haben safrangelbe kronen

hinterm gitter wo sie wohnen
nicken sie in schlanken ringen
ohne ruf und ohne sang
schlummer lang
breiten niemals ihre schwingen
 meine weißen ara träumen
von den fernen dattelbäumen

Freitag, 8. November 2013

Klabund - du gabst mir immer wieder dein herz und deine lieder

du gabst mir immer wieder
dein herz und deine lieder
ich nahm sie sorglos hin
nun muß ich dich betrüben :
ich darf dich nicht mehr lieben
weil ich nicht dein mehr bin

und liebst du einen andern
will ich ins weite wandern
mir wird so enge hier
wie schmerzlich blüht der Flieder !
mein herz und meine lieder
ich lasse sie bei dir