lieder & saitenspiel - tronjes blog

Freitag, 28. März 2014

Manuel Altolaguirre - era mi dolor tan alto - so hoch war mein schmerz


era mi dolor tan alto
que la puerta de la casa
de donde salí llorando
me llegaba a la cintura

qué pequeños resultaban
los hombres que iban conmigo
crecí como una alta llama
de tela blanca y cabellos

si derribaran mi frente
los toros bravos saldrían
luto en desorden dementes
contra los cuerpos humanos

era mi dolor tan alto
que miraba al otro mundo
por encima del ocaso
 por encima del ocaso

 *

so hoch war mein schmerz
daß die tür des hauses
aus dem ich weinend ging
mir bis zum gürtel reichte

wie klein schienen die leute
die mit mir gingen
ich wuchs wie eine hohe flamme
aus weißem stoff und aus haar

wenn man mir die stirn aufschlüge
stürzten wilde stiere heraus
toll in wirrer trauer
menschlichen leibern entgegen

so hoch war mein schmerz
daß ich in die andere welt blickte
weit über den abend hinaus
weit über den abend hinaus

Dienstag, 25. März 2014

Gustav Falke - der tulpenbaum


der tulpenbaum hat über nacht
all seine blumen aufgemacht
die weißen sterne leuchten weit
in ihrer keuschen herrlichkeit

es ist - als hätts die nacht bedacht
was liebes sie dem tag vermacht
damit von ihrem märchenglanz
ein schimmer leb in seinem kranz

er aber - überreich an licht
bedarf der fremden sterne nicht
und bald entblättert - schnell und sacht
das liebliche geschenk der nacht

Freitag, 21. März 2014

Erich Pfefferlen - vergangenes

als der mond
deinen verwaisten lippen
eisblumen spendete
streute ich asche
ins einstige paradies
längst gepackte koffer
der erinnerung
bleiben verschlossen
unsere narben
welken dahin

Sonntag, 16. März 2014

Hermann Löns - der wind auf der haide



der wind auf der haide
der weiß allerhand
im wind auf der haide
ein jungfräulein stand

guten tag schöne jungfer
du allerliebstes kind
da draußen auf der haide
da wehet der wind

und der wind und der wehet
und der wind der ist kalt
was willst du hier frieren
komm mit in den wald

im wald ist es stille
da rührt sich kein zweig
da blühen die blumen
da ruht es sich weich

da läßt es sich lieben
kein mensch weiß darum
da stehn lauter bäume
die sind still und stumm

Mittwoch, 12. März 2014

Gerhard Rombach - nimm den frühling mit wenn du gehst

nimm den frühling mit
wenn du gehst
und den sommer
den wir so liebten
nimm die sehnsucht mit
die mich verzehrt
und die träume - ohne die es
kein leben gibt
nimm den frühling mit
wenn du gehst

Montag, 10. März 2014

Workuta - es kam ein brief - Hagen Kemper 'tronje'


es kam ein brief aus Workuta

vor fünfundfünfzig jahren -

darin stand nur : vergeßt mich nicht !
ich muß ins jenseits fahren !

Samstag, 8. März 2014

Freitag, 7. März 2014

für Kinder : ich gehe in den wald - Hagen Kemper 'tronje'


 ich gehe in den wald
im wald da ist es kalt
die fliegen lieben pilze
d'rum sind das fliegenpilze
ich gehe in den wald
 
ich laufe über's feld
das feld ist gut bestellt
man liebt noch alte bräuche
so wie die vogelscheuche
ich laufe über's feld
 
ich springe in den garten
im garten werd' ich warten
vielleicht kommt heut' der bogen
ich mein' den regenbogen
ich springe in den garten
 
ich fahre in die wiesen
in wiesen muß ich nießen
im sommer such' ich zähne
nur frische löwenzähne
ich fahre in die wiesen
 
ich bleib' schon mal zuhaus
zuhaus - da ruh ich aus
ein ball liegt in der lade
und das ist 'ne ballade
ich bleib schon mal zuhaus


ich gehe in den wald
im wald da ist es kalt
die fliegen lieben pilze
d'rum sind das fliegenpilze
ich gehe in den wald

Montag, 3. März 2014

Johann Peter Eckermann - der fische viel gefangen sind


 der fische viel gefangen sind
die nacht wird dunkel -  naß der Wind ;
bald ab vom strande strömt die Flut
drum rudert rasch und rudert gut
damit wir zeitig landen
 es pfeift der wind bei hohler see
nicht mond nicht stern ist in der höh' ;
doch halten fest wir im gesicht
auf fernem turm der heimat licht
wohin wir oft uns fanden
 bald sind wir nah - nun senkt das blei
noch alle not ist nicht vorbei
hier liegen flach der klippen viel
und ist fürwahr kein kinderspiel
bei dunkler nacht zu stranden
 mit licht die unsern sind am strand !
bald ziehn die boote wir zu land ;
dann heitre mahlzeit machen wir
und der gefahren lachen wir
die glücklich wir bestanden