lieder & saitenspiel - tronjes blog

Freitag, 30. Oktober 2015

vorbei ist nun die sommerzeit - Hagen Kemper 'tronje'


vorbei ist nun die sommerzeit
der herbst legt farben - gold und breit
auf wiesen – feld und grünen auen -

es geht ein ahnen durch den wald
die zeit des abschieds kommt nun bald
der vogelzug – beim morgengrauen -

dann wird es still in der natur
die rabenvögel fliegen nur
im klostergarten singen frauen ...

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Hermann Hesse - ob du tanzen gehst in tand und plunder


ob du tanzen gehst in tand und plunder -
ob dein herz sich wund in sorgen müht -

täglich neu erfährst du doch das wunder -
daß des lebens flamme in dir glüht .

mancher läßt sie lodern und verprassen - 
trunken im verzückten augenblick -
andre geben sorglich und gelassen
kind und enkeln weiter ihr geschick .

doch verloren sind nur dessen tage -
den sein weg durch dumpfe dämmrung führt -
der sich sättigt in des tages plage
und des lebens flamme niemals spürt .

Samstag, 17. Oktober 2015

der froschkönig im garten - Hagen Kemper 'tronje'


ein könig träumt im garten
   wohl einen tiefen traum -
 auf wen will er nur warten ?
noch blüht der essigbaum ...
 
die birkenblätter spielen
   im frühen morgenwind -
  und manche - die schon fielen
 so bunt gefärbet sind ...
 
der könig trägt den umhang
   mit patina - in grün -
 er träumt - hört nicht den singsang
 und siehet auch nichts blüh'n ...
 
froschkönig ist sein name
 sein reich ist uns bekannt -
   er wartet auf die dame
 für's traum und märchenland ...

Sonntag, 11. Oktober 2015

Stefan George - südlicher strand



fern liegt die heimat noch als schwarze wüste -
vergessen hinter schneebestreuter wehr ...
kein laut von dort der nicht vergeblich grüßte !
die wunderwelt verlockt uns noch zu sehr -

starr-hohe fichten - sanftere oliven -
im garten den ein kühler glanz durchloht -
noch wartet drunten auf den glatten tiefen -
aus saphir unser gelbbeschwingtes boot -

in dieser luft von weihrauch und von rosen -
wo selbst der strenge fürst des endes leicht -
als sei er nur der spender von almosen -
mit einem lächeln durch die lande schleicht ...

Samstag, 3. Oktober 2015

Heinrich Heine - minnesänger


zu dem wettgesange schreiten
minnesänger jetzt herbei -
ei - das gibt ein seltsam streiten
ein gar seltsames turnei ! 

phantasie - die schäumend wilde
ist des minnesängers pferd -
und die kunst dient ihm zum schilde
und das wort - das ist sein schwert !

hübsche damen schauen munter
vom beteppichten balkon -
doch die rechte ist nicht drunter
mit der rechten lorbeerkron !

andre leute - wenn sie springen
in die schranken - sind gesund -
doch wir minnesänger bringen
dort schon mit die todeswund !

und wem dort am besten dringet
liederblut aus herzensgrund -
der ist sieger - der erringet
bestes lob aus schönstem mund !