lieder & saitenspiel - tronjes blog

Samstag, 30. Juli 2011

Hermann Hesse - das geld ist aus , die flasche leer



das geld ist aus - die flasche leer
und einer nach dem andern
legt sich zu boden - müde sehr
und ruht vom langen wandern


 der eine träumt noch vom gendarm
 dem er mit not entronnen
dem andern ist - er liege warm
im felde - an der sonnen


 der dritte kunde schaut ins licht
als ob er geister sähe
er stützt den kopf und schlummert nicht
und hat ein heimlich wehe


das licht verlischt und alles ruht
nur noch die scheiben funkeln
da nimmt er leise stock und hut
und wandert fort im dunkeln

Sonntag, 24. Juli 2011

verflogen jene zeit - Hagen Kemper 'tronje'




verflogen jene zeit
als wir uns nahe waren
dies liegt nun allzu weit
ich muß alleine fahren

es hat nicht sollen sein
es hat nicht sollen sein

lebwohl sag' ich der stadt
und auch den grünen auen
ich fahr' zum kattegatt
das liegt am meer - dem blauen

es hat nicht sollen sein
es hat nicht sollen sein

Mittwoch, 20. Juli 2011

Johann Christian Günther - auf der reise nach jauer



bruder - komm und laß uns wandern
habe leid und lust gemein
kommt ein wetter nach dem andern
hilf mir doch beständig sein
der verdruß vergangner tage
zeigt viel süß erinnerung
wir erdulden schwere plage
aber wir sind auch noch jung

gleiche brüder - gleiche kappen
einerlei gefahr und mut
sollt uns auch der feind ertappen
kämpfen wir vor ruhm und blut
wir sind allzeit freie leute
ob uns gleich die armut drückt
werden wir doch immer heute
durch geschwinden trost erquickt

sag es - bruder - unverholen
sind wir nicht weit besser dran ?
unser schaden sind nur sohlen
die man leicht ersetzen kann
nichts verwirrt uns die gemüter
niemand zwingt uns an das joch :
raubt man uns so ehr' als güter
bleibet unsre hoffnung doch

bruder - fort - es geht nach jauer
bruder - fort - und laß uns geh'n !
wird uns weg und wetter sauer
soll es doch bald anders stehn
fort - ich höre schon die lieder
auf den nächsten freudenschmaus !
mertschütz sehn wir wohl nicht wieder
freund - wo geht der weg hinaus ?

 ( mertschütz  liegt :
nördlich von döbeln / sachsen )

Freitag, 15. Juli 2011

ein weißes segel zog dahin - Hagen Kemper 'tronje'


ein weißes segel zog dahin
am horizont - sehr weit und blau
es war so weiß wie möwen sind
entschwand ins weite - tiefe blau
ich schrie die sehnsucht hinterher
das weiße segel war nicht mehr

ich blieb sehr lange steh'n im wind
der horizont - sehr weit und blau
die möwen segelten dahin
die wolken weiß - der himmel blau
ich schrie die sehnsucht hinterher
das weiße segel war nicht mehr

Sonntag, 10. Juli 2011

Theodor Storm - die möwe und mein herz




hin gen norden zieht die möwe
hin gen norden zieht mein herz
fliegen beide aus mitsammen
fliegen beide heimatwärts

ruhig - herz ! du bist zur stelle
flogst gar rasch die weite bahn -
und die möwe schwebt noch rudernd
überm weiten ozean

Dienstag, 5. Juli 2011

Alice Nahon - ik heb u zonder doel zien dolen



'k heb u zonder doel zien dolen
door de nachtelijke steê
waar de straten staan als holen
van verborgen wee …

waar mizerie-stemmen schreien
bij een flauwe " tingel-tang "
waar de vrouwen staan te vleien
met geverfde wang

zal uw weedom daar verzwinden
gij - van hoger schoon bewust ?
zwerver - hebt ge geen beminde
die u 's avonds kust ?

 *         
ich hab' dich ohne ziel herumirren seh'n
über den nächtlichen platz
wo die straßen steh'n wie höhlen
von verborgenem weh …

wo elends-stimmen schreien
bei geschmacklosem " tingel-tang "
wo die frauen steh'n zu schmeicheln
mit gefärbten wangen

soll dein leid da verschwinden
du - von höherem bewustsein ?
penner - hast du keine geliebte
die dich abends küßt ?

Freitag, 1. Juli 2011

Hermann Hesse - wie fremd und wunderlich das ist



wie fremd und wunderlich das ist
daß immerfort in jeder nacht
der leise brunnen weiterfließt
vorn ahornschatten kühl bewacht

und immer wieder wie ein duft
der mondschein auf den giebeln liegt
und durch die kühle - dunkle luft
die leichte schar der wolken fliegt !

das alles steht und hat bestand
wir aber ruhen eine nacht
und gehen weiter über land
wird uns von niemand nachgedacht

und dann - vielleicht nach manchem jahr
fälllt uns im traum der brunnen ein
und tor und giebel - wie es war
und jetzt noch und noch lang wird sein

wie heimatahnung glänzt es her
und war doch nur zu kurzer rast
ein fremdes dach dem fremden gast
er weiß nicht stadt nicht namen mehr

wie fremd und wunderlich das ist
daß immerfort in jeder nacht
der leise brunnen weiterfließt
vom ahornschatten kühl bewacht !