lieder & saitenspiel - tronjes blog

Freitag, 19. Januar 2018

die nacht im hafen - Hagen Kemper 'tronje'


es weht der abendwind - 
es rauscht das meer - 
die wellen spielen sacht - 

es steht der volle mond - 
und weit am himmel 
funkeln hell die stern' - 

es riecht nach salz und teer - 
das meer scheint weit und leer 
in dieser nacht - 

die boote wiegen sanft 
auf wellen nah am strand - 
der tag ist fern ...

Dienstag, 16. Januar 2018

Erich Mühsam - sie lernte stenographin ...



sie lernte stenographin -
er war engros-kommis -
im speisewagen traf ihn
ein blick - er liebte sie -

auf einer haltestelle
brach man die reise ab -
woselbst er im hotelle
sie als sein weib ausgab -

nicht viel - daß man sich fragte -
doch küßten sie genug -
und als der morgen tagte -
ging schon der nächste zug -

nach einer kurzen stunde
fand ihre fahrt den schluß -
er nahm von ihrem munde
noch einen heißen kuß -

er sah sie schnupftuchwinkend
noch stehn zum letzten mal -
und in sein auge blinkend
sich eine träne stahl ...

Mittwoch, 10. Januar 2018

Georg Heym - die braunen segel blähen an den trossen


die braunen segel blähen an den trossen -
die kähne furchen silbergrau das meer -
der borde schwarze netze hangen schwer
von schuppenleibern und von roten flossen -

sie kehren heim zum kai - wo raucht die stadt
in trübem dunst und naher finsternis -
der häuser lichter schwimmen ungewiß
wie rote flecken - breit - im dunklen watt - 

fern ruht des meeres platte wie ein stein
im blauen ost - von tages stirne sinkt
der kranz des roten laubes - da er trinkt -
zur flut gekniet - von ihrem weißen schein -

es zittert goldgewölke in den weiten
vom glanz der bernsteinwaldung - die enttaucht -
verlorner tiefe - wenn die dämmerung raucht -
in die sich gelb die langen äste breiten -

versunkne schiffer hängen in den zweigen -
ihr langes haar schwimmt auf der see wie tang -
die sterne - die dem grün der nacht entsteigen -
beginnen frierend ihren wandergang ...

Freitag, 5. Januar 2018

Dionýsios Solomós - tin ida tin xanthoūla - ich sah sie , die blonde ...


tin ida tin xanthoūla - tin ida pses argá - 
pou bike sti varkoūla na pai stin xenitiá - 
efoúskone tayéri lefkótata paniá - 
osán to peristéri - pou aplóni ta fterá - 
estékondan i fíli me lípi - me chará - 
ki' aftí me mandíli - tous apocheretã - 
ke to cheretismó tis estáthika na idõ - 
'os pou i polí makrótis mou to kripse ki' aftó - 
's olígo - 's oligáki den íxera na po - 
an évlepa panáki - i tou pelágou afró - 
ki afou paní - mandíli echáthi sto neró - 
edákrisan i fíli - edákrisa k' egó - 
den klégo ti varkoūla - den klégo ta panjá - 
mon klégo tin xanthoūla - pu pai stin xenitiá - 
den klégo ti varkoūla - me ta lefká paniá - 
mon klégo tin xanthoūla me ta xanthá malliá ...

*
ich sah sie - die blonde - ich sah sie gestern am abend - 
als sie in die barke stieg - um in die fremde zu fahren - 
es blähte der wind die leuchtendweißen segel 
wie die ausgebreiteten flügel einer taube - 
da standen die freunde - mit kummer - mit schmerz - 
und mit dem taschentuch winkte sie ihre grüße - 
und ihren gruß zu sehen stand auch ich am ufer - 
bis die weite ferne ihn mir verbarg - 
eine weile - eine kleine weile konnte ich kein wort sagen - 
nichts mehr sah ich vom segel - nur den weißen schaum des meeres - 
und nachdem segel und tuch verschwunden waren 
im schaum - weinten die freunde - weinte auch ich - 
nicht um die barke weine ich - nicht um die segel - 
nur um die blonde muß ich klagen - die in die fremde fährt - 
nicht um die kleine barke mit den weißen segeln weine ich - 
ich weine nur um das mädchen mit den blonden haaren ... 

transkription : hagen kemper 'tronje'

Samstag, 30. Dezember 2017

Wilhelm Müller *1794 - 1827 - gute nacht


fremd bin ich eingezogen -
fremd zieh ich wieder aus -
der mai war mir gewogen
mit manchem blumenstrauß -

das mädchen sprach von liebe -
die mutter gar von eh' -
nun ist die welt so trübe -
der weg gehüllt in schnee -

ich kann zu meiner reisen
nicht wählen mit der zeit -
muß selbst den weg mir weisen
in dieser dunkelheit -

es zieht ein mondenschatten
als mein gefährte mit -
und auf der weißen matten
such ich des wildes tritt -

was soll ich länger weilen -
daß man mich trieb hinaus ?
laß irre hunde heulen
vor ihres herren haus !

die liebe liebt das wandern -
Gott hat sie so gemacht -
von einem zu dem andern -
fein liebchen - gute nacht -

will dich im traum nicht stören -
wär schad' um deine ruh' -
sollst meinen tritt nicht hören -
sacht - sacht - die türe zu !

schreib' im vorübergehen
ans tor dir : gute nacht -
damit du mögest sehen -
an dich hab' ich gedacht ...

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Georg Trakl - melancholie


im stoppelfeld ein schwarzer wind gewittert -
aufblühn der traurigkeit violenfarben -
gedankenkreis - der trüb das hirn umwittert -
am zaune lehnen astern - die verstarben
und sonnenblumen schwärzlich und verwittert -
gelöst in schminken und zyanenfarben -

ein wunderlicher glockenklang durchzittert
reseden - die in schwarzem flor verstarben -
und unsere stirnen schattenhaft vergittert
versinken leise in zyanenfarben -
mit sonnenblumen schwärzlich und verwittert
und braunen astern - die am zaun verstarben ...

Dienstag, 26. Dezember 2017

Gustav Falke - weiße wolken gehn im blauen ...

weiße wolken gehn im blauen -
als - ein kind - im gras ich lag - 
liebt' ich's ihnen nachzuschauen - 
träumte einen schönen tag -

weiße wolken wandern immer -
und ich freu - ein alter mann -
mich an ihrem lichten schimmer -
denk an meine jugend dan -

weiße wolken werden wandern -
wenn ich lange nicht mehr bin - 
träumt ein hügel unter andern -
und sie ziehen oben hin ...

Freitag, 22. Dezember 2017

Hermann Hesse - zunachten


laufeuchte winde schweifen -
nachtvögel hört man überm ried
mit schweren flügeln streifen -
und fern im dorf ein fischerlied -

aus nie gewesnen zeiten
sind trübe sagen angestimmt -
und klagen um ewige leiden -
weh dem - der sie bei nacht vernimmt !

laß klagen - kind - laß rauschen -
rings ist die welt von leide schwer -
wir wollen den vögeln lauschen
und auch dem lied vom dorfe her ...

Sonntag, 17. Dezember 2017

August Zarnack - ich hab die nacht geträumet ...


 ich hab die nacht geträumet
wohl einen schweren traum - 
es wuchs in meinem garten
ein rosmarienbaum -

ein kirchhof war der garten
ein blumenbeet das grab -
und von dem grünen baume
fiel kron und blüte ab -

die blüten tät ich sammeln
in einen goldnen krug -
der fiel mir aus den händen -
daß er in stücken schlug -

draus sah ich perlen rinnen
und tröpflein rosenrot :
was mag der traum bedeuten ?
ach liebster - bist d u tot ?

Donnerstag, 7. Dezember 2017

ich hört' ein vöglein singen , grad' vor der dunklen nacht - Hagen Kemper 'tronje'


 ich hört' ein vöglein singen - 
grad' vor der dunklen nacht - 
mir wollt' das herz zerspringen :
als ich an sie gedacht - 

oft hab ich's lied vernommen - 
vor langer - langer zeit - 
ach - wär mein lieb' gekommen :
dann lauschten wir zu zweit - 

ich hört' ein vöglein singen - 
grad' vor der dunklen nacht - 
mir wollt' das herz zerspringen :
als ich an sie gedacht ...