lieder & saitenspiel - tronjes blog

Samstag, 14. Oktober 2017

Friderich von Husen - in mînem troume ich sach ...


 in mînem troume ich sach
ein harte schoene wîp -
die naht unz an den tac -
dô erwachete mîn lîp -
dô wart si leider mir benomen -
daz ich enweiz - wâ si sî -
von der mir fröide solte komen -
daz tâten mir diu ougen mîn -
der wolte ich âne sîn ...

in meinem traum sah ich
ein sehr schönes weib -
die ganze nacht bis zum tag -
da erwachte ich - und leider
verschwand sie mir -
so daß ich nicht weiß - wo sie ist -
die - die mich erfreuen sollte -
das taten mir meine augen an -
die wollte ich ohne sein ... 


frei übersetzt : tronje

Dienstag, 10. Oktober 2017

Christian Morgenstern - leise lieder sing' ich dir bei nacht


leise lieder sing' ich dir bei nacht -
lieder - die kein sterblich ohr vernimmt -
noch ein stern - der etwa spähend wacht -
noch der mond - der still im äther schwimmt -

denen niemand als das eigne herz -
das sie träumt - in tiefer wehmut lauscht -
und an denen niemand als der schmerz -
der sie zeugt - sich kummervoll berauscht -

leise lieder sing' ich dir bei nacht -
dir - in dessen aug mein sinn versank -
und aus dessen tiefem - dunklen schacht -
meine seele ewige sehnsucht trank ...

Donnerstag, 5. Oktober 2017

ach , ich könnte weiter singen ... - Hagen Kemper 'tronje'


ach - ich könnte weiter singen durch die ganze nacht -
und ich könnt' die saiten schlagen - sanft und wieder hart -
und der wind verweht die lieder -
und das fernweh kommt dann wieder -
ach - ich könnte weiter singen bis die sonne steht -
und ich könnt' den wind dann fragen wohin er mich weht -

ach - wie fühle ich mich trunken in der stillen nacht -
und die fernen silbersterne funkeln - halten wacht -
und der wind verweht die lieder -
und das fernweh kommt dann wieder -
ach - wie fühle ich mich trunken unterm himmelszelt -
und ich könnte wandern - wandern um die ganze welt -

ach - wie herrlich ist's am feuer in der kalten nacht -
und die glut erwärmt mich bis der neue tag erwacht -
und der wind verweht die lieder -
und das fernweh kommt dann wieder -
ach - es sollen niemals enden nächte mit den träumen -
und ich wander immer weiter unter mammutbäumen ...

Montag, 2. Oktober 2017

Hermann Allmers - ich ruhe still im hohen grünen gras


ich ruhe still im hohen grünen gras
und sende lange meinen blick nach oben -
von grillen rings umschwirrt ohn' unterlaß -
von himmelsbläue wundersam umwoben -

und schöne weiße wolken ziehn dahin
durchs tiefe blau wie schöne stille träume -
mir ist - als ob ich längst gestorben bin -
und ziehe selig mit durch ew'ge räume ...

Dienstag, 26. September 2017

Hermann Löns - der wind auf der haide


der wind auf der haide
der weiß allerhand -
im wind auf der haide
ein jungfräulein stand -

guten tag schöne jungfer
du allerliebstes kind -
da draußen auf der haide
da wehet der wind -

und der wind und der wehet
und der wind der ist kalt -
was willst du hier frieren
komm mit in den wald -

im wald ist es stille
da rührt sich kein zweig -
da blühen die blumen
da ruht es sich weich -

da läßt es sich lieben
kein mensch weiß darum -
da stehn lauter bäume
die sind still und stumm ...

Freitag, 22. September 2017

Jürgen Brand ( Emil Sonnemann ) - welkes laub zu meinen füßen


welkes laub zu meinen füßen -
streif ich einsam durch den wald -
keine blumen - die mich grüßen -
keines vogels sang erschallt -

ach - in diesen späten tagen
wandert stumm die wehmut mit -
und des waldes sterbeklagen
hemmt den rüst'gen wanderschritt -

fort damit ! noch keine klage
rief vergangenes zurück -
seid gegrüßt - ihr goldnen tage -
schaffend werb ich um das glück -

schaffend und genießend raube
ich der zeit den tropfen glück -
sieh : auf herbstlich gelbem laube
glänzt ein goldner sonnenblick !

Mittwoch, 20. September 2017

der sommer ist verblüht - Hagen Kemper 'tronje'


 

der sommer ist verblüht - 
im garten weht septemberwind - 
der tag schon bald verglüht - 

die nacht wird endlos sein - 
ob ich im traum mich wieder find ? 
der morgen bringt mich heim ...

Sonntag, 17. September 2017

Gottfried Keller - ich fahre mit den winden


ich fahre mit den winden - 
die fächelnd vor dem sommer wehn - 
wo klang und duft sich finden - 
kann man mich immer sehn !   

des lebens süßes schmeicheln 
gewann mich neu in seinen bund - 
und nimmer mag ich heucheln - 
ich fühle mich gesund -   

durch fremde städt und auen 
trag ich mein herz voll sang und klang - 
die blumen und die frauen 
blühn mir den weg entlang -   

die blumen brech ich gerne - 
sooft mir's eine angetan - 
doch sicher aus der ferne 
schau ich die frauen an -   

 ich lieb sie insgemeine 
wie einen vollen rosenkranz - 
's wär schade - wenn ich eine 
entzöge solchem glanz !   

doch fallen hin und wieder 
im wind den rosen blätter ab - 
die sinken in mich nieder 
auf ein verborgen grab -   

da liegt von welkem schimmer 
und blütenschutt ein dichter flor - 
draus ragt das grabmal immer 
und lieblicher hervor !

Dienstag, 12. September 2017

Conrad Ferdinand Meyer - mit edeln purpurröten



mit edeln purpurröten
und hellem amselschlag -
mit rosen und mit flöten
stolziert der junge tag -
der wanderschritt des lebens
ist noch ein leichter tanz -
ich gehe wie im reigen
mit einem frischen kranz -

ihr taubenetzten kränze
der neuen morgenkraft -
geworfen aus den lüften
und spielend aufgerafft -
wohl manchen ließ ich welken
noch vor der mittagsglut -
zerrissen hab ich manchen
aus reinem übermut !

mit edeln purpurröten
und hellem amselschlag -
mit rosen und mit flöten
stolziert der junge tag -
hinweg - du dunkle klage
aus all dem licht und glanz !
den schmerz verlorner tage
bedeckt ein frischer kranz ...

Samstag, 9. September 2017

Georg Trakl - abend kehrt in alten garten


abend kehrt in alten garten -
sonjas leben - blaue stille -
wilder vögel wanderfahrten -
kahler baum in herbst und stille -

sonnenblume - sanftgeneigte
über sonjas weiße leben -
wunde - rote - niegezeigte
läßt in dunklen zimmern leben -

wo die blauen glocken läuten -
sonjas schritt und sanfte stille -
sterbend tier grüßt im entgleiten -
kahler baum in herbst und stille -

sonne alter tage leuchtet
über sonjas weiße brauen -
schnee - der ihre wangen feuchtet -
und die wildnis ihrer brauen ...

Mittwoch, 6. September 2017

el crepuscle cau - die dämmerung fällt - Hagen Kemper 'tronje'



el crepuscle cau -
la cigala canta la seva cançó -
la lluna plena passeja per la muntanya -
el rossinyol és silenciós -

 *
 die dämmerung fällt -
die zikade singt ihr lied -
der volle mond wandert über den berg -
die nachtigall schweigt ...

Samstag, 26. August 2017

verglommen ist die glut - Hagen Kemper 'tronje'


verglommen ist die glut -
die nacht ist still und kalt -
der letzte rauch verweht -
nun ruht der dunkle wald -

das schilf spielt sanft im wind -
der mond zieht seine bahn -
die wolken wandern fort -
auf wellen wiegt der kahn -

es rötelt sich der tag -
verblaßt ist jeder stern -
der tau liegt auf dem zelt -
ein vogel trillert fern ...

Samstag, 19. August 2017

Jürgen Brand - wir sind jung , die welt ist offen



wir sind jung - die welt ist offen 
o du schöne - weite welt ! 
unser sehnen unser hoffen 
zieht hinaus durch wald und feld - 
bruder - laß den kopf nicht hängen - 
kannst ja nicht die sterne sehn ! 
aufwärts blicken - vorwärts drängen - 
wir sind jung - und das ist schön -  

liegt dort hinter jenem walde 
nicht ein fernes - fremdes land ? 
blüht auf grüner bergeshalde 
nicht das blümlein unbekannt ? 
laßt uns schweifen ins gelände - 
über täler - über höhn ! 
wo sich auch der weg hinwende - 
wir sind jung - und das ist schön -   

auf denn - auf - die sonne zeige 
uns den weg durch wald und hain - 
geht darob der tag zur Neige - 
leuchtet uns der sterne schein - 
bruder schnell - den rucksack über - 
heute soll`s ins weite gehn ! 
regen - wind - wir lachen drüber 
wir sind jung - und das ist schön ...

Dienstag, 15. August 2017

Klabund - ich hab am lichten tag geschlafen



ich hab am lichten tag geschlafen -
es weint das kind - es blökt das rind -
in meinem weidenbaume trafen
sich leiseklug und lockenlind -
kaum weiß ich noch - warum ich lebe -
vereist mein blick - mein blut verstürmt -
wenn ich die brust im atem hebe -
sind felsen über sie getürmt -

die schwester auch am nebelhafen -
sie bietet süße brust dem wind -
vor klingender taverne trafen
sie leiseklug und lockenlind -
den sternen - die am himmel pochten -
warf köcher ich und becher hin -
ich bin mit mohn und tod verflochten -
und weiß nicht mehr - ob ich noch bin ...

Mittwoch, 9. August 2017

Rose Ausländer - die rosen schmecken ranzig-rot



die rosen schmecken ranzig-rot -
es ist ein saurer sommer in der welt -

die beeren füllen sich mit tinte
und auf der lammhaut rauht das pergament -

das himbeerfeuer ist erloschen -
es ist ein aschensommer in der welt -

die menschen gehen mit gesenkten lidern
am rostigen rosenufer auf und ab -

sie warten auf die post der weißen taube
aus einem fremden sommer in der welt -

die brücke aus pedantischen metallen
darf nur betreten wer den marsch-schritt hat -

die schwalbe findet nicht nach süden -
es ist ein blinder sommer in der welt ...

Donnerstag, 3. August 2017

vogelfrei auf fremden wegen - Hagen Kemper 'tronje'



vogelfrei auf fremden wegen 
läßt der wind mich träume finden -
und ich habe nichts dagegen -
werde mich auch nirgends binden -

laß' mich von der sonne küssen -
kann im sommerregen baden -
schlaf' auf birkenblätterkissen -
kühle bronnen - laßt mich laben !

mit dem wind sing ich die lieder -
träume unterm sternenmeere - 
und ich träume immer wieder -
daß ich vogelfrei nun wäre ...

Dienstag, 25. Juli 2017

Albert Werfer - rosmarin und salbeiblättlein


rosmarin und salbeiblättlein
schenk ich dir zum abschiedsgruß -
und dies sei mein letzt gedenken -
weil ich dich verlassen muß -
 
was mich drückt - ich darf's nicht sagen -
muß verschweigen meine pein -
darf mein elend niemand klagen - 
muß dabei noch fröhlich sein -

warst mir treu so viele Jahre -
hast mir viel zu lieb getan -
meine äugelein - die fließen
daß ich nichts mehr sagen kann ...

Freitag, 21. Juli 2017

Heinrich Heine - das glück , das gestern mich geküßt -


das glück , das gestern mich geküßt -
ist heute schon zerronnen -
und treue liebe hab' ich nie 
auf lange zeit gewonnen - 

die neugier hat wohl manches weib
in meinen arm gezogen -
hat sie mir mal ins herz geschaut -
ist sie davongeflogen -

die eine lachte , eh' sie ging -
die andre tät erblassen :
nur kitty weinte bitterlich -
bevor sie mich verlassen ...

Samstag, 15. Juli 2017

fällt die dämmerung ...- Hagen Kemper 'tronje'

  
fällt die dämmerung -
 dann singt die zikade 
vor der nacht 
ihr schönstes lied -
 und der mond steigt 
über wald und berg
und scheint ins tal -
wenn sich die nachtigall 
im schlafe wiegt ...

Samstag, 8. Juli 2017

Theodor Storm - in den garten eingestiegen



in den garten eingestiegen
wär ich nun mit gutem glück -
wie die fledermäuse fliegen !
langsam weicht die nacht zurück -

doch indes am feldessaume
drüben kaum aurora glimmt -
hab ich unterm lindenbaume
hier die fiedel schon gestimmt -

sieh - dein kammerfenster blinket
in dem ersten morgenstrahl -
heller wird's - die nacht versinket -
horch ! da schlug die nachtigall !

schlaf nicht mehr ! die morgenlüfte
rütteln schon an deiner tür -
rings erwacht sind klang und düfte -
und mein herz verlangt nach dir -

zu des gartens schattendüster
komm herab - geliebtes kind !
nur im laub ein leis geflüster -
und verschwiegen ist der wind ...

Freitag, 30. Juni 2017

wenn im wind die espen zittern - Hagen Kemper 'tronje'



wenn im wind die espen zittern -
und die vögel nestwärts fliegen -
und es fällt ein regen nieder -
auf das zelt - in dem ich liege -

und ich horch' dem sang des windes -
streiche über alle saiten -
falle irgendwann ins träumen -
von den unbekannten weiten -

und ich tanz' auf weißen wolken -
in unendlich ferne - stille -
über mir myriaden sterne -
und ein lied singt mir die grille -

wenn im wind die espen zittern -
und es fällt kein regen nieder -
und ein neuer tag erwachet -
wander ich - und singe lieder ...

Samstag, 24. Juni 2017

Carl Zuckmayer - mond und sterne des südens



mond und sterne des südens -
rieseln ins wasser wie schnee -
nächte des nimmer-ermüdens -
spielende winde der see -
 
nächte des nimmer-erjagends -
nächte -beflutet vom glück :
spielende winde tragen's 
immer vom ufer zurück -
 
wenn ich ertränke - sie trügen's 
grün in die tiefe mir nach -
nächte des nimmer-genügens 
wiegten mich wieder wach ...

Sonntag, 18. Juni 2017

Walter Flex - ich habe des frühlings atem verspürt



ich habe des frühlings atem verspürt - 
sein hauch ging kosend und lind - 
die nacht hat so weich an mein fenster gerührt : 
nun hüte dich - hüte dich - kind ! 

im frühtau schnitt ich am wilden wein - 
ich schnitt der rebe ins blut - 
die säfte stiegen und netzten den stein - 
da hab' ich erschrocken geruht - 

durch wald und wiesen treibt es mich hin - 
lenzlieder fahren im wind - 
mir ist so eigen - so schwül zu sinn : 
nun hüte dich - hüte dich - kind !

Mittwoch, 14. Juni 2017

Amanhã vai chover - Morgen wird es regnen - Hagen Kemper 'tronje


amanhã vai chover : 
eu estarei na janela - 
e como sempre 
espera por você em vão - 
amanhã vai chover ! 

amanhã vai chover : 
eu estarei na janela - 
e como sempre 
concordo con guitarra - 
amanhã vai chover ! 

amanhã vai chover : 
eu estarei na janela - 
e como sempre 
vai ser triste meu coração - 
amanhã vai chover !

*
  morgen wird es regnen :  
ich stehe am fenster - 
und wie immer 
warte ich vergeblich auf dich - 
morgen wird es regnen ! 

morgen wird es regnen : 
ich stehe am fenster - 
und wie immer 
stimme ich die guitarre - 
morgen wird es regnen ! 

morgen wird es regnen : 
ich stehe am fenster - 
und wie immer 
wird mein herz traurig sein - 
morgen wird es regnen !