lieder & saitenspiel - tronjes blog

Donnerstag, 20. April 2017

wie trunken tanzen heut' die schmetterlinge - Hagen Kemper 'tronje'



wie trunken tanzen heut' die schmetterlinge - 
durch fremde gärten weht ein lauer wind - 
ich streiche über saiten - und ich singe - 
und such' den traum - wo die zypressen sind - 

ich werd' im traum bei den zypressen liegen - 
und schau'n nach weißen wolken - die da zieh'n - 
wo bunte vögel sich im winde wiegen - 
und mich umfängt ein duft von rosmarin - 

wie trunken tanzen heut' die schmetterlinge - 
durch fremde gärten weht ein lauer wind - 
ich streiche über saiten - und ich singe - 
und wünsch' - daß morgen schmetterlinge sind ...

Montag, 17. April 2017

Das Land - wo man die Freiheit suchen muß !


das Gedicht von Nâzim Hikmet ( Ran ) 
möchte ich heute 
nochmal ins Netz stellen :
von dem Mann - 
der seine Heimat liebte -
und doch flüchten mußte ...

karlı kayın ormanında
yürüyorum geceleyin
efkârlıyım - efkârlıyım
elini ver - nerde elin ?

memleket mi - yıldızlar mı
gençliğim mi daha uzak ?
kayınların arasında
bir pencere - sarı sıcak

ben ordan geçerken biri :
"amca – dese - gir içeri "
girip yerden selâmlasam
hane içindekileri
 
yedi tepeli şehrimde
bıraktım gonca gülümü
ne ölümden korkmak ayıp
ne de düşünmek ölümü

*
im verschneiten buchenwald 
gehe ich durch die dunkle nacht 
schwermütig bin ich - so allein 
 wo bist du nur - reich mir die hand 

was ist weiter – ich weiß es nicht 
 mein land - die jugend – das sternenlicht 
zwischen den buchen goldner schein 
lädt mich ein leuchtendes fenster ein 

riefe jetzt einer an der türe 
geh nicht vorbei bruder bleibe 
und ich begrüßte jeden im haus 
setzte mich zu ihnen – ruhte aus 

auf sieben hügeln meine stadt 
wo ich die rose verlassen hab' 
angst vor dem tode schändet nicht 
noch der gedanke an sein gesicht...

Freitag, 14. April 2017

James Krüss - es lebte einst ein zauberer - kori kora korinte



es lebte einst ein zauberer
kori kora korinte -
der saß in einem tintenfaß -
und zauberte mit tinte -

wenn jemand damit briefe schrieb -
und schmi und schma und schmollte -
dann schrieb er etwas anderes -
als was er schreiben wollte -

einst schrieb der kaufmann steenebarg -
aus bri aus bra aus bremen -
an seinen sohn in dänemark -
du solltest dich was schämen -

doch als der brief geschrieben war -
mit schwi mit schwa mit schwunge -
da stand im brief - mein lieber sohn -
du bist ein guter junge -

da schmunzelte der zauberer -
kori kora korinte -
und schwamm durchs ganze tintenfaß -
und trank ein bißchen tinte ...

Samstag, 8. April 2017

wenn die morgennebel steigen - Hagen Kemper 'tronje'



 wenn die morgennebel steigen
aus den feuchten wiesen auf -
färbt die morgenröte wieder
was so dunkel von der nacht -
wenn die weißen wolken ziehen
über uns durch tiefes blau -
traben wir durch staub der straßen :
die so endlos sind und grau -

wenn die abendnebel sinken
fällt aus fernem sternenmeer
silberfunkeln - immer wieder -
und wir kauern vor dem zelt -
wenn das lagerfeuer lodert
singen wir im feuerkreis -
mit dem rauch entschweben lieder :
und wir träumen - träumen leis ...

Mittwoch, 29. März 2017

Agnes Miegel - frühlingsabend



der helle maitag geht gemach zu ende -
die dunkelgrauen frühlingswolken zieh'n
in erster dämm'rung über die gelände -
wo veilchen suchend noch die kinder knien -

in allen gärten flöten hell die stare -
in unbelaubten wipfeln rauscht der wind -
das wühlt wie kinderhand in meinem haare -
ich atme tief - wie grün die wiesen sind !

die frühlingssehnsucht dieser abendstunde -
zu alten träumen kehrt sie still zurück -
und ruft und lockt mit jugendrotem munde :
die veilchen blüh'n ! blüh' auf - verdorrtes glück !

Donnerstag, 23. März 2017

tosende , schäumende , wiegende wogen - Hagen Kemper 'tronje'


tosende - schäumende - wiegende wogen -
tragen uns weit auf das offene meer -
ist uns das wetter auch heute gewogen -
lacht unser herz - denn was brauchen wir mehr -
rauschende - singende - ziehende scharen -
wildgänse fliegen durch sternklare nacht -
treibt uns der wind - und er zerrt an den haaren -
schwimmt unser boot durch traumhafte nacht -

und wenn wir singen die lieder der fernen -
weht frischer wind sie fort über's meer -
saiten - sie klingen - bis hin zu den sternen -
fallen am morgen ins tiefblaue meer -
rauschende - singende - ziehende scharen -
wildgänse fliegen durch sternklare nacht -
treibt uns der wind - und er zerrt an den haaren -
schwimmt unser boot durch traumhafte nacht ...

Sonntag, 19. März 2017

Rudolf Baumbach - fahr' wohl , mein lieb , der morgen graut


fahr' wohl - mein lieb - der morgen graut -
fahr' wohl - wir müssen uns trennen -
das scheiden ist ein bitt'res kraut -
von heißen tränen ist's betaut -
und seine blätter brennen -
 

es sprießen blumen ohne zahl -
wo minne und jugend werben -
wo zwei in stummer herzensqual
beisammensteh'n zum letzten mal -
die gräser und blumen sterben -
 

dort drüben am bach eine weide steht -
die äste neigen sich nieder -
ein blatt sich wirbelnd zur erde dreht -
wer weiß - wohin es der wind verweht
zurück kehrt's nimmer wieder ...