lieder & saitenspiel - tronjes blog

Donnerstag, 7. Dezember 2017

ich hört' ein vöglein singen , grad' vor der dunklen nacht - Hagen Kemper 'tronje'


  ich hört' ein vöglein singen - 
grad' vor der dunklen nacht - 
mir wollt' das herz zerspringen :
als ich an sie gedacht - 

oft hab ich's lied vernommen - 
vor langer - langer zeit - 
ach - wär mein lieb' gekommen :
dann lauschten wir zu zweit - 

ich hört' ein vöglein singen - 
grad' vor der dunklen nacht - 
mir wollt' das herz zerspringen :
als ich an sie gedacht ...

Samstag, 2. Dezember 2017

Selma Meerbaum-Eisinger - ich bin der regen ...



ich bin der regen - und ich geh'
barfuß einher von land zu land -
in meinen haaren spielt der wind
mit seiner schlanken - braunen hand -

mein dünnes kleid aus spinngeweb'
ist grauer als das graue weh -
ich bin allein - nur hie und da
spiel' ich mit einem kranken reh -

ich halte schnüre in der hand -
(und) es sind auf ihnen aufgereiht
alle die tränen - welche je
ein blasser mädchenmund geweint -

sie alle habe ich geraubt
bei schlanken mädchen - spät bei nacht -
wenn mit der sehnsucht hand in hand
sie bang auf langem weg gewacht -

ich bin der regen - und ich geh'
barfuß einher von land zu land -
in meinen haaren spielt der wind
mit seiner schlanken - braunen hand ...

Sonntag, 26. November 2017

Ingrid Drewing - feuer lodert , funken stieben ...


 

feuer lodert - funken stieben
in die dunkelblaue nacht ;
die am lagerfeuer blieben -
singen leise - halten wacht .

unter sternen träumend lauschen -
in der lauen sommerluft
hören wir die wipfel rauschen
und der waldkauz dunkel ruft .

fühlen innig uns verbunden
der natur in feld und wald -
haben unser glück gefunden ;
schlaf besiegt uns nicht so bald .

bis die morgennebel fliehen -
sitzen wir beim feuerschein -
sehn das letzte scheit verglühen -
und nun lädt der see uns ein .

hier im sonnengold wir schwimmen -
das sich spiegelt hell im See .
jugendfreude froher stimmen
hallt als echo in die höh' .

das gedicht freundlicherweise zum vertonen :
von ingrid drewing freigegeben 

Donnerstag, 23. November 2017

Peter Huchel - herbst der bettler



 das spröde holz am brombeerzaun
trug auswärts früchte viel -
ganz erdige - von sonne braun
und regen innen kühl -

die nachts auf brachem felde ruhn -
sie kämmten aus das laub -
eh sie auf drahtgeflickten schuhn
fortzogen unterm staub -

oktoberbüsche - kahl und naß -
verfaulter nüsse riß -
in rauhreifübereistem gras
des nebels kalter biß !

wie eine wabe - ausgeleert -
die sonnenblume starrt -
der wind - der durch die dornen fährt -
klirrt wie ein messer hart ...

Sonntag, 19. November 2017

Charlotte von Ahlefeld - es jagen die stürme am herbstlichen himmel



es jagen die stürme am herbstlichen himmel
die fliehenden wolken -
es wehen die blätter des haines hernieder -
es hüllt sich in nebel das ferne gebirg -

o jaget - ihr wolken - in stürmender eile -
ihr ziehet nach süden -
wo freundlich die sonne den wehenden schleier
euch liebevoll schmücket mit goldenem saum -

mich trieben die stürme des schicksals nach norden
dort mangelt mir ewig
die sonne der freude - und nimmer verkläret
ihr lächeln die wolken des düsteren sinnes -

und darum geleit' ich mit seufzern der sehnsucht
euch - luftige bilder
der wechselnden laune des ewigen himmels -
und flüchtete gerne nach süden mit euch ...

Mittwoch, 15. November 2017

nun schlaf mein kind , nun schlafe - Hagen Kemper 'tronje'



nun schlaf mein kind - nun schlafe -
am himmel ziehn wie schafe -
die wolken in die ferne -
darüber funkeln sterne -

nun träum mein kind - nun träume -
im mondhof blühn die bäume - 
daran hängen die sterne -
die blinken aus der ferne -

 nun träum mein kind - träum weiter -
ich bring die himmelsleiter -
der wind wird heute schweigen -
zum mond kannst du dann steigen ...

Sonntag, 12. November 2017

Georg Trakl - dich lieb ich treu du derbe wäscherin


dich lieb ich treu du derbe wäscherin - 
noch trägt die flut des himmels goldene last -
ein fischlein blitzt vorüber und verblaßt -
ein wächsern antlitz fließt durch erlen hin -

in gärten sinken glocken lang und leis -
ein kleiner vogel trällert wie verrückt -
das sanfte korn schwillt leise und verzückt -
und bienen sammeln noch mit ernstem fleiß -

komm liebe nun zum müden arbeitsmann ! 
in seine hütte fällt ein lauer strahl - 
der wald strömt durch den abend herb und fahl -
und knospen knistern heiter dann und wann ...

Dienstag, 7. November 2017

mit lust tät ich ausreiten - um 1600


mit lust tät ich ausreiten
durch einen grünen wald -
darin - da hört ich singen - ja singen
drei vöglein wohlgestalt -

und seind es nit drei vögelein -
so seins drei jungfräulein -
soll mir das ein nit werden - ja werden -
es gilt das leben mein -

das eine heißet ursulein -
das zweite babelein -
das dritt hat keinen namen - ja namen -
das soll des reiters sein -

wer ist's - der uns dies liedlein sang -
frisch - frei gesungen hat -
das hat getan ein reiter - ja reiter
zu landsberg in der stadt -

dabei - da hent gesessen
drei zarte jungfräulein -
die habens nit vergessen - vergessen
bei met und kühlem wein ...

Donnerstag, 2. November 2017

melancholie im herbst - Hagen Kemper 'tronje'



das grüne laub ist längst vom herbst gefärbt -
in gelb - zinnober und in rostigbraun -
das holz am grunde scheint mir wie gegerbt -
das moos blinkt silbern grad im morgengraun -

der sachte nebel steigt aus wiesen auf -
ein erster vogel singt und flattert rund -
colchicum blüht in gärten nun zu hauf -
im wind die blätter fliegen kunterbunt ...

Freitag, 27. Oktober 2017

unterm sternenhimmel steht das zelt - Hagen Kemper 'tronje'

 

unterm sternenhimmel steht das zelt -
alle wolken hat der wind verweht -
überm wald der volle mond nun steht -
und die schatten wandern übers feld -

leise klingen lieder in der nacht -
und wir kauern um die heiße glut -
vogelscharen ziehen unverwacht
über uns durch klare sternennacht -

unterm sternenhimmel steht das zelt -
alle lieder hat der wind verweht -
und das fernweh - das durch träume geht -
läßt uns fahren durch die weite welt ...

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Wolfgang Bächler - oktobertag


der nebel fällt - aus grauen fluten steigt
sonnübergüldet eine helle halde
umschlossen rings von kühlem eichenwald
aus dem sich lächelnd eine birke neigt

vereinzelt hängt noch kupferbraunes laub
das astwerk krümmt sich in verrenkten posen
am bachgrund welken letzte herbstzeitlosen
ein bussard kreist - gespannte kraft sinnt raub

nackt ragt ein stamm - schaut fragend auf ins blau
ein schwarzes zeichen - eine hieroglyphe
noch wirrer sprechen schatten in der tiefe
auf fahlem farn glänzt lichterfüllt der tau

Sonntag, 22. Oktober 2017

Stefan George - wenn die blätter gelblich werden



wenn die blätter gelblich werden 
und der kühle wind sie bricht - 
schwach und schwächer stets auf erden - 
nieder strahlt der sonne licht - 

hören auch die herzen wieder 
auf des wechsels ewigen ruf - 
blumen - blätter sinken nieder - 
die der lenz in ihnen schuf - 

was zu hoffnung und zu wonne 
weckte sommer-sonnenstrahl - 
schwindet vor der wintersonne - 
und wir trauern kalt und kahl ...

Samstag, 14. Oktober 2017

Friderich von Husen - in mînem troume ich sach ...


 in mînem troume ich sach
ein harte schoene wîp -
die naht unz an den tac -
dô erwachete mîn lîp -
dô wart si leider mir benomen -
daz ich enweiz - wâ si sî -
von der mir fröide solte komen -
daz tâten mir diu ougen mîn -
der wolte ich âne sîn ...

in meinem traum sah ich
ein sehr schönes weib -
die ganze nacht bis zum tag -
da erwachte ich - und leider
verschwand sie mir -
so daß ich nicht weiß - wo sie ist -
die - die mich erfreuen sollte -
das taten mir meine augen an -
die wollte ich ohne sein ... 


frei übersetzt : tronje

Dienstag, 10. Oktober 2017

Christian Morgenstern - leise lieder sing' ich dir bei nacht


leise lieder sing' ich dir bei nacht -
lieder - die kein sterblich ohr vernimmt -
noch ein stern - der etwa spähend wacht -
noch der mond - der still im äther schwimmt -

denen niemand als das eigne herz -
das sie träumt - in tiefer wehmut lauscht -
und an denen niemand als der schmerz -
der sie zeugt - sich kummervoll berauscht -

leise lieder sing' ich dir bei nacht -
dir - in dessen aug mein sinn versank -
und aus dessen tiefem - dunklen schacht -
meine seele ewige sehnsucht trank ...

Donnerstag, 5. Oktober 2017

ach , ich könnte weiter singen ... - Hagen Kemper 'tronje'


ach - ich könnte weiter singen durch die ganze nacht -
und ich könnt' die saiten schlagen - sanft und wieder hart -
und der wind verweht die lieder -
und das fernweh kommt dann wieder -
ach - ich könnte weiter singen bis die sonne steht -
und ich könnt' den wind dann fragen wohin er mich weht -

ach - wie fühle ich mich trunken in der stillen nacht -
und die fernen silbersterne funkeln - halten wacht -
und der wind verweht die lieder -
und das fernweh kommt dann wieder -
ach - wie fühle ich mich trunken unterm himmelszelt -
und ich könnte wandern - wandern um die ganze welt -

ach - wie herrlich ist's am feuer in der kalten nacht -
und die glut erwärmt mich bis der neue tag erwacht -
und der wind verweht die lieder -
und das fernweh kommt dann wieder -
ach - es sollen niemals enden nächte mit den träumen -
und ich wander immer weiter unter mammutbäumen ...

Montag, 2. Oktober 2017

Hermann Allmers - ich ruhe still im hohen grünen gras


ich ruhe still im hohen grünen gras
und sende lange meinen blick nach oben -
von grillen rings umschwirrt ohn' unterlaß -
von himmelsbläue wundersam umwoben -

und schöne weiße wolken ziehn dahin
durchs tiefe blau wie schöne stille träume -
mir ist - als ob ich längst gestorben bin -
und ziehe selig mit durch ew'ge räume ...

Dienstag, 26. September 2017

Hermann Löns - der wind auf der haide


der wind auf der haide
der weiß allerhand -
im wind auf der haide
ein jungfräulein stand -

guten tag schöne jungfer
du allerliebstes kind -
da draußen auf der haide
da wehet der wind -

und der wind und der wehet
und der wind der ist kalt -
was willst du hier frieren
komm mit in den wald -

im wald ist es stille
da rührt sich kein zweig -
da blühen die blumen
da ruht es sich weich -

da läßt es sich lieben
kein mensch weiß darum -
da stehn lauter bäume
die sind still und stumm ...

Freitag, 22. September 2017

Jürgen Brand ( Emil Sonnemann ) - welkes laub zu meinen füßen


welkes laub zu meinen füßen -
streif ich einsam durch den wald -
keine blumen - die mich grüßen -
keines vogels sang erschallt -

ach - in diesen späten tagen
wandert stumm die wehmut mit -
und des waldes sterbeklagen
hemmt den rüst'gen wanderschritt -

fort damit ! noch keine klage
rief vergangenes zurück -
seid gegrüßt - ihr goldnen tage -
schaffend werb ich um das glück -

schaffend und genießend raube
ich der zeit den tropfen glück -
sieh : auf herbstlich gelbem laube
glänzt ein goldner sonnenblick !

Mittwoch, 20. September 2017

der sommer ist verblüht - Hagen Kemper 'tronje'


 

der sommer ist verblüht - 
im garten weht septemberwind - 
der tag schon bald verglüht - 

die nacht wird endlos sein - 
ob ich im traum mich wieder find ? 
der morgen bringt mich heim ...

Sonntag, 17. September 2017

Gottfried Keller - ich fahre mit den winden


ich fahre mit den winden - 
die fächelnd vor dem sommer wehn - 
wo klang und duft sich finden - 
kann man mich immer sehn !   

des lebens süßes schmeicheln 
gewann mich neu in seinen bund - 
und nimmer mag ich heucheln - 
ich fühle mich gesund -   

durch fremde städt und auen 
trag ich mein herz voll sang und klang - 
die blumen und die frauen 
blühn mir den weg entlang -   

die blumen brech ich gerne - 
sooft mir's eine angetan - 
doch sicher aus der ferne 
schau ich die frauen an -   

 ich lieb sie insgemeine 
wie einen vollen rosenkranz - 
's wär schade - wenn ich eine 
entzöge solchem glanz !   

doch fallen hin und wieder 
im wind den rosen blätter ab - 
die sinken in mich nieder 
auf ein verborgen grab -   

da liegt von welkem schimmer 
und blütenschutt ein dichter flor - 
draus ragt das grabmal immer 
und lieblicher hervor !