lieder & saitenspiel - tronjes blog

Freitag, 25. September 2015

Rudolf Baumbach - jeder nach seiner art



nie werden trauben süß und schwer
an haselbüschen reifen -
der distelfink lernt nimmermehr
wie eine drossel pfeifen .

sehnsüchtig klagt im hollerstrauch
das nachtigallenmännchen -
ich singe nach vagantenbrauch
beim klapp der deckelkännchen .

der feilt an einer elegie
der schmiedet eine fabel -
ich singe in die winde - wie
gewachsen mir der schnabel !

ich hab's gelernt im grünen wald
beim rauschen alter föhren -
und wem mein singsang nicht gefallt
der braucht nicht zuzuhören !

Mittwoch, 9. September 2015

Hugo von Hofmannsthal - wir sind aus solchem zeug wie das zu träumen



wir sind aus solchem zeug wie das zu träumen -

und träume schlagen so die augen auf :
wie kleine kinder unter kirschenbäumen ...

aus deren krone den blaßgoldnen lauf -
der vollmond anhebt durch die große nacht :
nicht anders tauchen unsre träume auf ...

sind da und leben - wie ein kind - das lacht -
nicht minder groß im auf- und niederschweben :
als vollmond - aus baumkronen aufgewacht ...

das innerste ist offen ihrem weben -
wie geisterhände im versperrten raum :
sind sie in uns und haben immer leben -

und drei sind eins : ein mensch - ein ding - ein traum ...

Mittwoch, 2. September 2015

im mohn , am weizenfeld ... - Hagen Kemper 'tronje'



die nacht ist still und leise
gefallen auf die welt -
da lag ich noch zu träumen :
im mohn - am weizenfeld ...

und über mir der himmel
war prächtig hell besternt -
der vollmond schien mir nahe :
und war doch weit entfernt ...

da blieb ich einfach liegen
in warmer sommernacht -
ein vogel sang am morgen :
da bin ich aufgewacht ...

der wind strich über ähren
und schenkte mir als lohn -
fürs warten auf dem felde :
ein blatt vom seidenmohn ...