lieder & saitenspiel - tronjes blog

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Nâzim Hikmet - karlı kayın ormanında - im verschneiten buchenwald



karlı kayın ormanında
yürüyorum geceleyin
efkârlıyım - efkârlıyım
elini ver - nerde elin ?

memleket mi - yıldızlar mı
gençliğim mi daha uzak ?
kayınların arasında
bir pencere - sarı sıcak

ben ordan geçerken biri :
"amca – dese - gir içeri "
girip yerden selâmlasam
hane içindekileri

yedi tepeli şehrimde
bıraktım gonca gülümü
ne ölümden korkmak ayıp
ne de düşünmek ölümü

*
im verschneiten buchenwald
gehe ich durch die dunkle nacht
schwermütig bin ich - so allein
wo bist du nur - reich mir die hand

was ist weiter – ich weiß es nicht
mein land - die jugend – das sternenlicht ?
zwischen den buchen goldner schein
lädt mich ein leuchtendes fenster ein

riefe jetzt einer an der türe :
geh nicht vorbei bruder bleibe
und ich begrüßte jeden im haus
setzte mich zu ihnen – ruhte aus

auf sieben hügeln meine stadt
wo ich die rose verlassen hab'
angst vor dem tode schändet nicht
noch der gedanke an sein gesicht

Samstag, 4. Dezember 2010

auf den weißen feldern - Hagen Kemper 'tronje'



auf den weißen feldern
feldern weiß von schnee
hocken schwarze raben  
in dem weißen schnee

auf der weißen kirche
kirche weiß von schnee
flattern dunkle dohlen
über weißen schnee

auf den weißen wiesen
wiesen weiß von schnee
hüpfen nebelkrähen
durch den weißen schnee

auf den weißen bäumen
bäumen weiß von schnee
sitzen sieben elstern
in dem weißen schnee


Mittwoch, 24. November 2010

's isch no nit lang – daß gregnet hätt



's isch no nit lang - daß gregnet hätt
die laübli tröpfle no
i hab e mohl e schatzli ghätt
i wott - i hätt es no

jez isch er gange go wandere
i wünsch em löcher in d' schuh
jetzt hab i wieder en andere
gott gäb mer glück dazu

's isch no nit lang - daß er gheirat hätt
's isch gar e kurzi zyt
si röckli ist em loderich
si strümpfli sin em z' wyt

Donnerstag, 11. November 2010

Alice Nahon - najaarsvensterke - herbstfensterchen



tussen 't naakte - rood geraamte
van een wilde wijngaardrank
huing een scheefgezakte venster
in de gevel - blauwig blank

op de grauw arduinen rijchel
hier en daar vergroend van mos
lagen enk'le wingerdblâren
dronken van d'oktoberblos

onder 't venster - waar het muurke
door de tijd gebersten was
stonden triestig te verdrogen
uitgeblomde dahlia's

een verneuteld vrouke schikte
't wit en rood geblokt gordijn ;
't was …- alsof heur rimpels zegden :
« 't zal 'ne kwaaie winter zijn …»

 *

zwischen nackten – roten ranken
von einem wilden wein
hing ein schief gesägtes fenster
in dem giebel – blau gefärbt

auf dem grauen steinernem sims
hier und da verwachsen von moos
lagen einige blätter vom wilden wein
trunken vom oktoberwind

unterm fenster – wo das mäuerchen
durch die zeit geborsten war
standen traurig vertrocknete
verblühte dahlien

ein angetrunkenes frauchen ordnete
die weiß und rot karierte gardine
es war … als ob ihre faltensagten :
« es soll en bösartiger winter werden …»

Dienstag, 2. November 2010

Hermann von Gilm zu Rosenegg - Allerseelen


stell' auf den tisch die duftenden reseden
die letzten roten astern trag' herbei
und laß uns wieder von der liebe reden
wie einst im mai

gieb mir die hand - daß ich sie heimlich drücke
und wenn man's sieht - mir ist es einerlei
gieb mir nur einen deiner süßen blicke
wie einst im mai

es blüht und funkelt heut' auf jedem grabe
ein tag im jahre ist den toten frei
komm an mein herz - daß ich dich wieder habe
wie einst im mai

Sonntag, 24. Oktober 2010

ačhil' om korkori - allein bin ich geblieben - romani tschib


ačhil' om  korkori
sar  chindo  kaštoro  
ačhil' om  korkori
sar  pro  veš  pajtoro
*
allein bin ich geblieben
als ein stück holz
allein bin ich geblieben
als ein verwelktes blatt im wald

Samstag, 2. Oktober 2010

Ada Christen - ach nur einmal möcht ich sinken



ach nur einmal möcht ich sinken
noch in deine arme hin
und nur einmal noch vergessen
was ich war und was ich bin !

ach nur einmal so dich sehen
wie du einst gewesen bist
und dann alles wieder leiden
was schon war und was noch ist

Samstag, 25. September 2010

Heinrich Heine - mir träumte einst von wildem liebesglühn


mir träumte einst von wildem liebesglühn
von hübschen locken - myrten und resede
von süßen lippen und von bittrer rede
von düstrer lieder düstern melodien

verblichen und verweht sind längst die träume
verweht ist gar mein liebstes traumgebild !
geblieben ist mir nur - was glutenwild
ich einst gegossen hab' in weiche reime

du bliebst - verwaistes lied ! verweh' jetzt auch
und such' das traumbild - das mir längst entschwunden
und grüß' es mir - wenn du es aufgefunden -
dem lust'gen schatten send' ich lust'gen hauch

Freitag, 10. September 2010

Dietmar von Aist - uf der linden obene



uf der linden obene
dâ sanc ein kleinez vogellîn 
vor dem walde wart ez lût : 
dô huop sich aber daz herze mîn
an eine stat da'z ê dâ was 
ich sach die rôsebluomen stân :
die manent mich der gedanke vil
die ich hin zeiner frouwen hân 

oben auf der linde
da sang ein kleiner vogel 
vor dem walde ward es laut : 
da hob sich wieder mein herz
an eine stelle wo es einst schon war 
ich sah die rosenblüten stehn :
die erinnern mich vieler gedanken 
die ich zu einer frau hin habe 

Samstag, 4. September 2010

Alice Nahon - achter d' oude kloosterwoning


achter d' oude kloosterwoning
hing wat rode zon …
onder goud-getinte linde
bad een jonge non …

heur gelaten ogen droomden
onder blanke doek
naar de zwart' en rode letters
van 't getijdenboek …

langs de wegskens was geprevel
van wat blâren bruin …
aan heur voeten bogen schrale
violieren schuin …

als 'n dood' illuzie - die ze
lang vergeten had …
viel er op heur jonge handen
een verschrompeld blad …

*

hinter der alten klosterwohnung
hing ein wenig rote sonne …
unter gold-gefärbter linde
badete eine junge nonne …

ihre ergebenen augen träumten
unter dem weißen tuch
nach schwarz und roten buchstaben
von dem gebets-stundenbuch …

längs dem weg lag 'ne menge
von braunen blättern …
an ihren füßen bogen sich
ärmliche stiefmütterchen …

als eine tote illusion - die sie
lange vergessen hat …
fiel auf ihre jungen hände
ein verkrümpeltes blatt …

Freitag, 27. August 2010

Joseph.v. Eichendorff - hörst du nicht die bäume rauschen


hörst du nicht die bäume rauschen
draußen durch die stille rund ?
lockts dich nicht - hinabzulauschen
von dem söller in den grund

wo die vielen bäche gehen
wunderbar im mondenschein
und die stillen schlösser sehen
in den fluß vom hohen stein ?

kennst du noch die irren lieder
aus der alten - schönen zeit ?
sie erwachen alle wieder
nachts in waldeinsamkeit

wenn die bäume träumend lauschen
und der flieder duftet schwül
und im fluß die nixen rauschen
komm herab - hier ists so kühl

Montag, 16. August 2010

ich durfte nie mit schmuddelkindern spielen - Hagen Kemper 'tronje'



ich durfte nie
mit schmuddelkindern spielen
man sagte mir : 
das sei für mich nicht gut
das wäre nur
weil sie in jede pfütze fielen
und alle fandens schlecht 
nur ich fands gut

ich suchte lang
nach einem schmuddelkind
ich wollte doch so gern'
mit einem spielen : 
Gott sei dank 
daß hier ja keine sind
das hörte ich
an jedem tag von vielen

nach einem jahr
fand ich ein schmuddelkind
es meinte nur : 
du siehst ja aus wie viele
und eigentlich
bist du kein schmuddelkind
mit dir da 
mach ich keine spiele

Freitag, 13. August 2010

Christian Friedrich Hebbel - sommerbild


ich sah des sommers letzte rose stehn
sie war - als ob sie bluten könne - rot
da sprach ich schauernd im vorübergehn :
so weit im leben - ist zu nah am tod !

es regte sich kein hauch am heißen tag
nur leise strich ein weißer schmetterling
doch - ob auch kaum die luft sein flügelschlag
bewegte - sie empfand es und verging

Freitag, 30. Juli 2010

juanita de mazatlán - Hagen Kemper 'tronje'



die fischer sind schon lang' zurück vom weiten meer

sie hatten guten fang - kein netz war leer

musik durchdringt die nacht - der mond zieht seine bahn

juanita tanzt und lacht - in mazatlán

Samstag, 17. Juli 2010

die glockenblumen läuten still - Hagen Kemper 'tronje'



die glockenblumen läuten still
in blau - den ganzen morgen
und weil sie niemand haben will
so läuten sie auch morgen

und wenn sie dann verblühet sind
an einem frühen morgen
so hört man nicht den klang im wind
kein läuten mehr am morgen - am morgen

die glockenblumen läuten still
im nächsten frühjahr wieder
und wenn sie niemand haben will
ich komme ja doch wieder - doch wieder

Montag, 28. Juni 2010

hab' ein liebchen in Kazán - Hagen Kemper 'tronje'




hab' ein liebchen in kazán
nur der weg ist viel zu weit
wenn ich irgend-wann mal kam
hatte sie wohl keine zeit

und das geht so manches jahr
durch die ganze jahreszeit
hab' ein liebchen in kazán
nur der weg ist viel zu weit

refrain :

černookaja  poljubi  že
ty  menja   -  ty  menja

schwarzäugige liebe doch
du mich       -      du mich

Donnerstag, 24. Juni 2010

F. G. Lorca - todas las mañanas - jeden tag


todas las mañanas voy
a preguntarle al romero
si el mal de amor tiene cura
porque yo me estoy muriendo

subí al la muralla ;
me respondió el viento :
¿ para qué tantos suspiritos
si ya no hay remedio ?

jeden morgen frage ich
den rosmarin
um ein mittel gegen liebesschmerz
weil ich sterben werde

ich kletterte auf den wall ;
der wind gab mir eine antword :
wozu all die seufzer
wenn es doch kein heilmittel gibt ?

Donnerstag, 17. Juni 2010

Stefan George - der hügel wo wir wandeln ...



der hügel wo wir wandeln liegt im schatten
indes der drüben noch im lichte webt
der mond auf seinen zarten grünen matten
nur erst als kleine weiße wolke schwebt

die straßen weithin-deutend werden blasser
den wandrern bietet ein gelispel halt
ist es vom berg ein unsichtbares wasser
ist es ein vogel der sein schlaflied lallt ?

der dunkelfalter zwei die sich verfrühten
verfolgen sich von halm zu halm im scherz …
der rain bereitet aus gesträuch und blüten
den duft des abends für gedämpften schmerz

Mittwoch, 9. Juni 2010

Klabund - die fliederblüten über den zaun gehängt



die fliederblüten - über den zaun gehängt
streifen die hand mir - daß ich bleibe
ihr seid an mich - ich bin an euch geschenkt
wie die erinnerung einem weibe

blau rollt das meer - und violetter blüht
des herzens schwankende syringe
mimose naht - und blonder frühling früht
und lockt - daß ich mich in die fluten schwinge

ein schmaler finger winkt die andre küste
die schwedische - auf der der nebel wohnt
und meine hände halten wie zwei brüste
die sonne und den mond

Mittwoch, 2. Juni 2010

Georg Trakl - im roten laubwerk voll guitarren



im roten laubwerk voll guitarren
der mädchen gelbe haare wehen
am zaun - wo sonnenblumen stehen
durch wolken fährt ein goldener karren

in brauner schatten ruh verstummen
die alten - die sich blöd umschlingen
die waisen süß zur vesper singen
in gelben dünsten fliegen summen

am bache waschen noch die frauen
die aufgehängten linnen wallen
die kleine - die mir lang gefallen
kommt wieder durch das abendgrauen

vom lauen himmel spatzen stürzen
in grüne löcher voll verwesung
dem hungrigen täuscht vor genesung
ein duft von brot und herben würzen

Freitag, 21. Mai 2010

Joseph v. Eichendorff - mondnacht




es war - als hätt' der himmel
die erde still geküßt
daß sie im blüten-schimmer
von ihm nun träumen müßt'

die luft ging durch die felder
die ähren wogten sacht
es rauschten leis die wälder
so sternklar war die nacht

und meine seele spannte
weit ihre flügel aus
flog durch die stillen lande
als flöge sie nach haus

Samstag, 15. Mai 2010

Camilo Pessanha - canção da partida - abschiedslied



ao meu coração um peso de ferro

eu hei-de prender na volta do mar

ao meu coração um peso de ferro

lançá-lo ao mar



quem vai embarcar - que vai degredado

as penas do amor não queira levar

marujos - erguei o cofre pesado

lançá-lo ao mar



e hei-de mercar um fecho de prata -

o meu coração é o cofre selado -

a sete chaves : tem dentro uma carta ...

- a última - de antes do teu noivado -



a sete chaves - a carta encantada !

e um lenço bordado ...esse hei-de o levar -

que é para o molhar na água salgada

no dia em que enfim deixar de chorar ...



*

ich hänge ein gewicht aus eisen an mein herz auf meiner fahrt zur see -

ans herz häng ich ein gewicht aus eisen - um es ins meer zu werfen -

wer übers meer fährt - weil er in verbannung geht -

soll seinen liebeskummer nicht mitnehmen - matrosen  - 

hebt die mächtige kasette hoch - werft sie ins meer !

ich kauf mir einen silbernen verschluß -

mein herz ist die versiegelte kasette -

dreifach verschlossen - darin liegt ein brief - der letzte ists -

vor deiner hochzeit abgesandt - dreifach verschlossen -

der verwunschene brief - und ein gesticktes taschentuch -

das nehm ich mit und tauche e3s ins salzige wasser

an dem tag - da ich endlich nicht mehr weine ...


Freitag, 7. Mai 2010

Stefan George - weiße schwalben sah ich fliegen



weiße schwalben sah ich fliegen
schwalben schnee-und silberweiß
sah sie sich im winde wiegen
in dem winde hell und heiß

bunte häher sah ich hüpfen
papagei und kolibri
durch die wunder-bäume schlüpfen
in dem wald der tusferi

große raben sah ich flattern
dohlen schwarz und dunkelgrau
nah am grunde über nattern
im verzauberten gehau

schwalben seh ich wieder fliegen
schnee-und silberweiße schar
wie sie sich im winde wiegen
in dem winde kalt und klar

Samstag, 1. Mai 2010

Luisa Famos - vers saira - gegen abend


ich habe dieses Lied der Familie Famos gewidmet

ils  ultims  razs dal  sulai  da
quaista  saira  n'ha  clet  per  tai
eu  at  dun  in  teis  mans
ant  chi  vegna  la  not

*
 die letzten strahlen dieser abendsonne
hab ich für dich gepflückt
ich lege sie in deine hände
vor anbruch der nacht

*
sah den letzten abendsonnenstrahl
habe ihn für dich allein gepflückt
lege ich in deine hände
vor beginn der nacht

die letzte strophe habe ich angepaßt
um das lied auch in deutsch zu singen