lieder & saitenspiel - tronjes blog

Sonntag, 27. Oktober 2013

Bern Hardy - die see

 
wenn in ihren atemzügen
sich die dünung senkt und hebt
und die winde sie durchpflügen
dann verspürst du - daß sie lebt

wenn die stürme shanties geigen
Rasmus ausgelassen tollt
und die wellen zähne zeigen
dann verspürst du - daß sie grollt

wenn sie wilde böen hetzen
leewärts jagend und die kimm
taumelt unter wolkenfetzen
dann verspürst du ihren grimm

bist du einst an land gegangen
auf der suche nach dem glück
zieht ein heimliches verlangen
dich doch stets zu ihr zurück


Samstag, 19. Oktober 2013

meine wolkenlieder - Hagen Kemper 'tronje'



manchmal steig' ich auf den berg
und wart' auf weiße wolken
dann such' ich mir die schönste aus
zum liegen und zum träumen

manchmal steig' ich auf den berg
leg' lieder auf die wolken
die singt der wind um mitternacht
ich hör' s in meinen träumen

manchmal steig' ich auf den berg
leg' wünsche auf die wolken
die fliegen zu der liebsten hin
so kann sie besser träumen

manchmal steig' ich auf den berg
und wart' auf weiße wolken
schickt mir die liebste einen gruß
so werd' ich von ihr träumen

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Heinrich Kipphardt 'heinar' - Auschwitz 1953 - saß da ein vogel im baume


saß da ein vogel im baume
wohl an die zehen jahr
sang da ein vogel im baume
sein lied hatte weißes haar
asche im wind - es schluchzet
die rose am wegrand nicht mehr
asche im wind - es schluchzen
die träumenden vögel nicht mehr

hing da ein nebel im baume
der gänzlich entblättert war
hing da ein nebel im baume
wohl an die zehen jahr
asche im wind - es schluchzet
die rose am wegrand nicht mehr
asche im wind - es schluchzen
die träumenden vögel nicht mehr

war da ein gläserner kasten
gefüllt mit frauenhaar
das kilo zu fünfzig pfennig
zu kaufen vor zehen jahr
asche im wind - es schluchzet
die rose am wegrand nicht mehr
asche im wind - es schluchzen
die träumenden vögel nicht mehr

war da eine wolke in Auschwitz
eine wolke aus goldenem haar
die hat man zu scheren vergessen
vor etwa zehen jahr
asche im wind- es schluchzet
die rose am wegrand nicht mehr
asche im wind-es schluchzen
die träumenden vögel nicht mehr

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Theodor Storm - wie bald des sommers holdes fest verging !

wie bald des sommers holdes fest verging !
rau weht der herbst - wird's denn auch frühling wieder ?
da fällt ein bleicher sonnenstrahl hernieder -
komm - laß uns spielen - weißer schmetterling !

ach - keine nelke - keine rose mehr
am himmel fährt ein kalt gewölk daher !
weh - wie so bald des sommers lust verging -
O komm ! wo bist du - weißer schmetterling ?

Mittwoch, 2. Oktober 2013

ins café um die ecke - Hagen Kemper 'tronje'

 
 ins café um die ecke
kommt er jeden tag
um die gleiche zeit
wenn es abend wird
 
und er hat keine eile
sitzt nur einfach da
trinkt sein bier allein
wenn es abend wird
 
und er findet nicht
die erinnerung
die wohl einmal war
und nun nicht mehr gibt