lieder & saitenspiel - tronjes blog

Montag, 27. April 2015

wohlan , gekommen ist die zeit - Hagen Kemper 'tronje'


wohlan - gekommen ist die zeit
der grünen wälder weit und breit
ein mannigfaltig blütentraum
und vogelsang im rosenbaum

die sonne - die am himmel steht
der mond - der über wolken geht
die sterne hell - am himmelszelt
die nacht - die in den morgen fällt

das weckt in mir die wanderlust
und öffnet herz und weit die brust
so führt mein weg durch staub und sand
in weites - unbekanntes land

Mittwoch, 22. April 2015

Heinrich Heine - ach , die augen sind es wieder


ach - die augen sind es wieder
die mich einst so lieblich grüßten
und es sind die lippen wieder
die das leben mir versüßten !

auch die stimme ist es wieder

die ich einst so gern gehöret !
nur ich selber bin's nicht wieder
bin verändert heimgekehret

von den weißen - schönen armen
fest und liebevoll umschlossen
lieg ich jetzt an ihrem herzen
dumpfen sinnes und verdrossen

Sonntag, 19. April 2015

Awrom Suzkewer - der fiedler vom getto


da seine lieder nimmer klangen die ihm das leben einst beseelt 
sind traum und wahrheit ihm vergangen : die fiedel hat ihm sehr gefehlt 

mit ihrem klingen ging verloren sein feuergeist - der nun verschwelt 
nie wird ein wunder mehr geboren - die fiedel hat ihm sehr gefehlt 

er hat sie in geheimer trauer vergraben wie ein fläschel wein
jenseit von tor und gettomauer - sollt nicht mit ihm gefangen sein 

jedoch was ist er ohne geige : ein bündel knochen ohne sinn 
es rinnt die zeit und geht zur neige - und wie sie kommt - so geht sie hin 

die träne ist nurmehr ein tropfen - ein wort ist wie ein staub im wind 
die abendröte ihm zukopfe wird grau - noch ehe sie zerrinnt 

mit einem spaten - spät am abend schlich er sich zum zerstörten haus
und hoffte - nach der fiedel grabend gräbt er am end die hoffnung aus 

er beugt sich - greift mit beiden händen : daß er die fiedel wieder hat !
schleicht leise an den häuserwänden zurück in seine judenstadt

Samstag, 18. April 2015

Hermann Hesse - voll blüten steht der pfirsichbaum

 

voll blüten steht der pfirsichbaum
nicht jede wird zur frucht
sie schimmern hell wie rosenschaum
durch blau und wolkenflucht

wie blüten gehn gedanken auf
hundert an jedem tag -
laß blühen ! laß dem ding den lauf !
frag nicht nach dem ertrag !

es muß auch spiel und unschuld sein
und blütenüberfluß
sonst wär die welt uns viel zu klein
und leben kein genuß

Samstag, 11. April 2015

Rainer Maria Rilke - ich will ein garten sein


ich will ein garten sein - an dessen bronnen
die vielen träume neue blumen brächen
die einen abgesondert und versonnen
und die geeint in schweigsamen gesprächen

und wo sie schreiten - über ihren häupten
will ich mit worten wie mit wipfeln rauschen
und wo sie ruhen - will ich den betäubten
mit meinem schweigen in den schlummer lauschen

Mittwoch, 8. April 2015

ačhil' om korkori - allein bin ich geblieben - Romani čhib


ačhil' om  korkori
sar  chindo  kaštoro  
ačhil' om  korkori
sar  pro  veš  pajtoro

*
 allein bin ich geblieben
als ein stück holz
allein bin ich geblieben
als ein verwelktes blatt im wald

Sonntag, 5. April 2015

es ist die zeit , daß alles grünet um uns her - Hagen Kemper 'tronje'


es ist die zeit - daß alles grünet um uns her
die knospen warten auf den warmen sonnenstrahl 
die amseln in den gärten singen wieder
und aus den wolken fällt der regen auf das land

ein bauer auf dem acker wirft die neue saat
die krähen schreien - fallen scharenweise ein
die regenwolken ziehen endlich weiter
und die narzissen prunken auf dem wiesengrund

es ist die zeit - daß alles grünet um uns her
die blätter an den bäumen zittern sacht im wind 
die amseln in den gärten singen wieder
das ist der frühling - so wie ich ihn gerne mag

Mittwoch, 1. April 2015

Erich Mühsam - auf dem meere tanzt die welle


auf dem meere tanzt die welle
nach der freiheit windmusik
raum zum tanz hat meine zelle  
siebzehn meter im kubik
liebe tupft mit bleichen leisen
fingern an ein bett ihr mal
meine pforte ist aus eisen
meine pritsche hart und schmal

aus dem blauen himmel zittert
sehnsucht - die die herzen stillt
meine luke ist vergittert
 und ihr dickes glas gerillt
liebe tupft mit bleichen leisen
fingern an ein bett ihr mal
meine pforte ist aus eisen
meine pritsche hart und schmal

tausend rätsel - tausend fragen
machen manchen menschen dumm
ich hab' eine nur zu tragen
warum sitz ich hier warum ?
liebe tupft mit bleichen leisen
fingern an ein bett ihr mal
meine pforte ist aus eisen
meine pritsche hart und schmal

hinterm auge wohnt die träne
und sie weint zu ihrer zeit
eingesperrt sind meine pläne
namens der gerechtigkeit
liebe tupft mit bleichen leisen
fingern an ein bett ihr mal
meine pforte ist aus eisen
meine pritsche hart und schmal