lieder & saitenspiel - tronjes blog

Freitag, 27. September 2013

Joachim Ringelnatz - sie haben das mächtige meer unterm bauch

sie haben das mächtige meer unterm bauch
und über sich wolken und sterne
sie lassen sich fahren vom himmlischen hauch
mit herrenblick in die ferne

sie schaukeln kokett in des schicksals hand
wie trunkene schmetterlinge
aber sie tragen von land zu land
fürsorglich wertvolle dinge

wie das im wind liegt und sich wiegt
tauwebüberspannt durch die wogen
da ist eine kunst - die friedlich siegt
und ihr fleiß ist nicht verlogen

es rauscht wie freiheit - es riecht wie welt
natur gewordene planken
sind segelschiffe - ihr anblick erhellt
und weitet unsre gedanken

Sonntag, 22. September 2013

Franz Grillparzer - bekenntnisse eines vagabunden


von menschen - soweit um ich irrte
trägt gute und böse die welt
die besten von allen : die wirte
sie laben - wenn auch nur für geld

nächst stehen die lustgen kumpane
sie zechen und jubeln mit euch
die lumpe von jeglicher fahne
man fühlt sich so heimisch und gleich

gut nenn ich gefällige weiber
verstehend und teilend den scherz
die leiber sind herrische treiber
und fleisch ist ja auch doch das herz

die bösen stehn aber viel dichter
man sieht kaum vor bäumen den wald
als erste : die gläubger und richter
das recht überhaupt ist so kalt

die tüchtgen - die würdgen - die ernsten
man fühlt sich beirrt und beengt
und steht ihnen eben am fernsten
je näher an sie man sich drängt

doch bittrer als alle die bittern
sprecht - die ihr die länder durchzogt 
sind dichtenden - irrenden Rittern :
Zensoren und Bettelvogt !

Freitag, 13. September 2013

Hermann Löns - wilde rosen



die rosen in dem garten
sind reizend anzusehn
die wilden heckenrosen
sind noch einmal so schön

am tage auf der straße
siehst du nicht nach mir hin
es braucht kein mensch zu wissen
daß ich dein liebster bin

der tag der ist vergangen
die nacht die bricht herein
im allerletzten hause
da ist ein heller schein

ich laß die eule rufen
das licht geht hin und her
das fenster das ist dunkel
die eule ruft nicht mehr 

das lieben vor allen leuten
macht nicht so viele freud
als wenn man bricht die rosen
in aller heimlichkeit

Samstag, 7. September 2013

ach , nur einen sommer lang - Hagen Kemper 'tronje'



ach – nur einen sommer lang
 gaben wir uns hin den träumen -

lagen – liebend unter bäumen
 die den weg zu 'Eden' säumen –

sommerwind und vogelsang