lieder & saitenspiel - tronjes blog

Sonntag, 19. April 2015

Awrom Suzkewer - der fiedler vom getto


da seine lieder nimmer klangen die ihm das leben einst beseelt 
sind traum und wahrheit ihm vergangen : die fiedel hat ihm sehr gefehlt 

mit ihrem klingen ging verloren sein feuergeist - der nun verschwelt 
nie wird ein wunder mehr geboren - die fiedel hat ihm sehr gefehlt 

er hat sie in geheimer trauer vergraben wie ein fläschel wein
jenseit von tor und gettomauer - sollt nicht mit ihm gefangen sein 

jedoch was ist er ohne geige : ein bündel knochen ohne sinn 
es rinnt die zeit und geht zur neige - und wie sie kommt - so geht sie hin 

die träne ist nurmehr ein tropfen - ein wort ist wie ein staub im wind 
die abendröte ihm zukopfe wird grau - noch ehe sie zerrinnt 

mit einem spaten - spät am abend schlich er sich zum zerstörten haus
und hoffte - nach der fiedel grabend gräbt er am end die hoffnung aus 

er beugt sich - greift mit beiden händen : daß er die fiedel wieder hat !
schleicht leise an den häuserwänden zurück in seine judenstadt

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